29. Auszüge aus den bereits früher von Fr. Venzara publizierten erzieherischen Wahrheiten (1990 - 1995)



Warum die Moral für die Staatsmacht keine Priorität darstellt?
Moral ist wichtiger als menschliche Macht, Geld und Wirtschaft

Sdružení přátel morálního zákona - Auszüge aus den bereits früher von Fr. Venzara publizierten erzieherischen Wahrheiten

29. Auszüge aus den bereits früher von Fr. Venzara publizierten erzieherischen Wahrheiten (1990 - 1995)



Warum die Moral für die Staatsmacht keine Priorität darstellt?
Moral ist wichtiger als menschliche Macht, Geld und Wirtschaft


(Die Texte der Auszüge wurden gekürzt und zum Teil verbal konkretisiert.)


1.

Fehlerfreie Matrize


Liegt der Fehler in der Matrize, dann verbreitet jeder weitere Abzug denselben Fehler. Jiří Suchý drückte dies wie folgt aus: „Ein krummer Stock wirft einen krummen Schatten. Es ist sinnlos, den Schatten gerade biegen zu wollen.“ Die Aufgabe der Matrize stellt im Leben der Menschen und ihrer Organisationen das höchste Steuerungssystem eines jeden Menschen – bestehend in dessen Weltanschauung, d.h. der Ideologie – dar. Die wichtigste Komponente einer jeden Weltanschauung ist deren Moral, die über den Wert der Weltanschauung insgesamt entscheidet. Ist die Moral mit Fehlern behaftet, ist es auch die Weltanschauung und demzufolge alle Gedanken, Gefühle, Worte und Taten der Menschen, Organisationen. Eine fehlerhafte, d.h. verbogene Moral ist eine Moral, die im Widerspruch zur wissenschaftlichen Moral gemäß dem natürlichen Moralgesetz (nachfolgend MG genannt) steht. Die Moral kann nicht von der Beziehung des Menschen zu den Produktionsmitteln abgeleitet werden.

Kenntnis und Einhaltung des MG werden als menschliche Weisheit bezeichnet, die identisch ist mit dem Begriff der moralischen Gesundheit. Bereits das Alte Testament der Juden wusste, dass ein die Weisheit Hassender den Tod liebt, dass Weisheit in keine böswillige Seele Einkehr hält, dass Kenntnis und Einhaltung des MG für den Menschen besser sind als Tausende Pfund Gold oder Silber, dass eine Vielzahl Weiser die Rettung der Welt bedeutet. (5. Januar 1990)


2.

Stehen wir an der Schwelle zu einer moralischen Revolution?


Über diese moralische Revolution schrieb der große Humanist Albert Schweitzer (1875-1965): „Eine neue Renaissance muss kommen, viel größer als die, in der wir aus dem Mittelalter heraus schritten: die große Renaissance, in der die Menschheit dazu gelangt, von dem armseligen Wirklichkeitssinn, in dem sie dahinlebt, zur Gesinnung der Ehrfurcht vor dem Leben fortzuschreiten.“ Ähnlich drückte sich 1977 auch der bedeutende amerikanische Soziologe L. Berger aus: „Ich glaube, dass es irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft zu einer gigantischen Reaktion kommen könnte, zu einem Ereignis, das den Charakter einer religiösen Wiedergeburt trüge. Ich kann Ihnen nicht sagen wann, ich kann Ihnen nicht sagen, in was für einer Form. Es könnte etwas vollkommen außerhalb der Kirche Stehendes sein.“ (13. Januar 1990)


3.

Damit die Menschen bessere Menschen werden - der tschechische Schriftsteller Josef Holeček (1853-1923)


Eines schönen Tages wird die Menschheit sehend und begreift, dass sie auf einen Irrweg geführt wurde und zu den ältesten Lehrmeistern der Moral und den ältesten Vorbildern von Charakterfestigkeit zurückkehren muss. Was wäre es für ein Glück, wenn sich das tschechische Volk als erstes besänne, um sich und andere zu retten.

Eine gut organisierte, breitere oder engere Gesellschaft, sowohl Familie als auch Staat, muss Charaktere in sich tragen. Diese sind die Säulen, die deren Gebäude stützen, sie sind die Umklammerung, die sie zusammen hält und somit deren Auflösung und Zerfall verhütet. Eine Gesellschaft ohne Charaktere fault, eine an Charakteren reiche Gesellschaft gedeiht, entwickelt sich erfolgreich und blüht auf. Deshalb ist es die wichtigste Aufgabe der Erzieher des Volkes, junge Menschen zu lehren, charakterfest zu sein.

(19. Januar 1990)

4.

Über zwei Komponenten menschlicher Freiheit


Die erste Komponente ist die Wahlfreiheit, die durch die Zurechnungsfähigkeit des Menschen gegeben ist. Diese steht in einem engen Zusammenhang mit dessen Entscheidungsfindung, mit Macht, mit der Weltanschauung und der eigentlichen Wertehierarchie. Sie wächst mit der Aufwärtsentwicklung der Wahlmöglichkeiten und geht mit der Verringerung der Wahlmöglichkeiten zurück, und dies sowohl im Menschen als auch außerhalb desselben. Die zweite Komponente ist das ewige Vorbild, das Freiheitsideal, verleibhaftigt im natürlichen Moralgesetz (nachfolgend MG genannt), das auch Gesetz der Weisheit und Liebe (d.h. des Lebens für andere) genannt wird. Im Rahmen der Wahlfreiheit ist es möglich, dass sich der Mensch mitnichten das MG, sondern dessen Gegenteil – die Amoralität – zu seinem Ideal wählt. Dies hängt sowohl von der Intelligenz des Menschen als auch von dessen Erziehung und dessen Schicksal ab. Jedoch, lediglich das MG ist die Quelle gesunden Denkens, Fühlens und Tuns. Vollkommene Freiheit, Unabhängigkeit, gibt es nicht. Der Mensch ist seit jeher von irgendetwas oder von irgendjemandem abhängig und wird dies auch in Zukunft sein. Es geht lediglich darum, für sich die richtige Abhängigkeit zu wählen – aus der Sicht des MG, nicht aus der Sicht seiner anfänglichen, oft falschen Vorstellungen von Glück. Will also der Mensch in das Reich der Freiheit gelangen, in religiöser Terminologie in das Reich Gottes, muss er einen Weg einschlagen, der zum MG führt und die sich dabei auftürmenden Hindernisse überwinden, mitnichten einen Weg, der vom MG weg und hin zu Amoralität und Gesetzlosigkeit führt. Durch die richtige Wahl realisiert der Mensch in sich selbst das gewählte Freiheitsideal und allmählich kommt es auch zu einer Identifizierung mit diesem Ideal.

Verkoppeln Sie sich deshalb, sofern Sie dies nicht bereits getan haben, mit dem MG! Das Erreichen von Freiheit ist auch der Sinn des menschlichen Lebens! (27.01.90)


5.

Ist Freiheit eine erkannte Notwendigkeit?


Die Ansicht des holländischen Philosophen Baruch Spinoza (1632-1677), Freiheit sei eine erkannte Notwendigkeit, (d.h. ein freiwilliger Gehorsam), ist richtig, sofern mit diesem Gehorsam das MG gemeint ist. Sie ist nicht richtig, sofern mit dieser Notwendigkeit eine durch menschliche Macht hervorgerufene Notwendigkeit gemeint ist, deren Weltanschauung von Amoralität infiziert und deshalb falsch ist.

Die Existenz eines einzigen MG ist naturgegeben, eine andere Möglichkeit der Wahl gibt es nicht, sofern wir uns nicht gegen die Natur erheben wollen, es ist eine erkannte Notwendigkeit. (02.02.90.)


6.

Damit die Menschen zu besseren Menschen werden


Will der Mensch zu einem besseren Menschen werden, und hierin besteht gerade eben der Sinn des menschlichen Lebens, dafür wurden wir geboren, sollte er das natürliche Moralgesetz (MG) kennen lernen und in seinem Leben freiwillig respektieren. Diesem unterliegt sowohl die menschliche Macht als auch das geistige und materielle Niveau des Menschen. Im Rahmen der dem Menschen gegebenen Wahlfreiheit kann dieser zwar das MG verletzen, mitnichten jedoch ungestraft. Da eine Strafe nur ausnahmsweise auf den Fuß folgt, verleitet dies viele zu der irrtümlichen Ansicht, dass es kein MG gibt, dass das Wichtigste im Leben nicht die Wahrheit ist, sondern genügend Macht oder Cleverness. Jedoch, auch wenn die menschliche Macht alle Menschen der Erde beherrschen würde, stünde es nicht in ihrer Macht, das MG durch ein eigenes Gesetz zu ersetzen und die Folgen der Überschreitung des MG für immer auszuschalten. Deshalb siegt die Wahrheit gesetzmäßig, früher oder später, immer. Begreifen wir das endlich? (9. Februar 1990)


7.

Bürgererziehung gehört zu den wichtigsten Unterrichtsfächern


Warum wurden wir geboren? Die Antwort unserer Lehrerin und Schenkerin der Weltanschauung für die Kultur von Philadelphia, Alma Excelsior (1887-1956), lautet: „Der Mensch kam nicht auf die Welt, um zu essen und Sinnesvergnügen zu genießen, sondern um sich durch den Dienst am Mitmenschen und an Gott geistig weiterzuentwickeln.“

In der Schule des Lebens sollen wir uns selbst und andere durch geeignete Belehrungen und vor allem durch unser persönliches Beispiel weise erziehen. Die gedankliche Komponente ist im Menschen am wichtigsten, denn erst daraus geht die menschliche Macht hervor, die so gut oder so schlecht ist, wie die sich in der Weltanschauung äußernde gedankliche Komponente im Menschen gut oder schlecht ist. Die Weltanschauung (Ideologie) des Menschen ist das höchststehende Steuerungssystem, dem Nervensystem (CNS), den Drüsen mit innerer Sekretion und dem Immunsystem übergeordnet. Sie entwickelt sich positiv oder negativ im Einklang mit der positiven oder negativen geistig-moralischen Entwicklung des Menschen. Unser Lehrer der Völker (J. A. Comenius) drückte sinngemäß aus, dass die Vernachlässigung von Erziehung den Verderb des Einzelnen, von Familien, Völkern und Staaten bedeutet. Deshalb sollte eine weise Erziehung bei jedem Menschen, in jeder Familie, in jeder Schule und in den Medien (Zeitung, Rundfunk, Fernsehen), in der Gesellschaft, im Staat, in der Kirche Priorität genießen. Menschliche Macht, die die Existenz des Gesetzes (und wo es ein Gesetz gibt, muss es auch Gesetzgeber geben) und die darauf aufbauende Weltanschauung, d.h. eine universelle Weltanschauung reiner Demokratie, negiert, geht gesetzmäßig Krisenerscheinungen, dem Niedergang der moralischen Gesundheit, wirtschaftlichen Krisenerscheinungen, ersatzmäßigem Glück, Schikane, Kriminalität, Totalität und Kriegen entgegen. Deshalb muss die Priorität in der Herrschaft einer weisen Weltanschauung in den Köpfen einer größtmöglichen Anzahl von Menschen bestehen, vor allem aber in den Köpfen von Lehrern, insbesondere dann von Bürgererziehungslehrern.

Platon, der da lehrte, dass Erziehung eine politische Aufgabe ist, dass herrschen erziehen bedeutet, würde sich wahrscheinlich mit der Ansicht einverstanden erklären, dass, sofern eine Verschlechterung der moralischen Gesundheit der Gesellschaft von einer Staatsmacht verursacht wurde, es an der neuen Staatsmacht ist, diese Verschlechterung der Gesellschaft wiedergutzumachen.

Die Vorstellung von veralteten moralischen Regeln, deren Einhaltung der unabhängigen Suche nach menschlichem Glück im Wege stehe, ist vollkommen falsch. Höchstes Glück ermöglicht gerade eben die Einhaltung der Normen des Gesetzes, die keiner Alterung unterliegen. Die irrtümliche Ansicht von veralteten Moralnormen wurde von der in den Medien verbreiteten Ansicht über „moralisch veraltete Computer, Kraftfahrzeuge u. Ä. untermauert.“ (22. September 2002)


8.

Petition der Vereinigung der Freunde des Moralgesetzes (SPMZ) vom 29. 11. 2002 - Über die Idee der tschechischen Staatlichkeit

Die oben angeführte, an den Tschechischen Nationalrat, zu Händen dessen Vorsitzenden, Milan Uhde, gerichtete Petition schlug vor, auch den folgenden Satz in die zukünftige Verfassung der Tschechischen Republik aufzunehmen: „Bürger und Staatsmacht sind verpflichtet, allen Schäden vorzubeugen, insbesondere Schäden in der Erziehung zu moralischer und physischer Gesundheit, im Einklang mit den vom natürlichen Moralgesetz abgeleiteten guten Sitten (MG).“

Amoralität, d.h. die Verletzung des MG (ganz gleich, ob bewusst oder aus Unkenntnis des MG) kann als größter Feind der gesunden Entwicklung von Bürgern, Familien und Staaten betrachtet werden. Eine weise Macht, die über Moral und Intelligenz verfügt (im Unterscheid zu Kräften, die stets blind sind und im Unterschied zu einer „lediglich“ intelligenten Macht), ist bemüht, Schäden in allen Bereichen des menschlichen Lebens vorzubeugen. Diese Prävention wird von einer gesunden Weltanschauung bedingt, die sich dessen bewusst ist, dass menschliche Mächte nicht die höchste Intelligenz des Weltalls darstellen, dass der Mensch einschließlich seiner Macht ein untrennbarer Bestandteil der Natur ist, deren Macht der Gesetzgeber aller natürlichen Gesetze ist, insbesondere des MG, das seit jeher die wichtigste im Reich des Menschen geltende Sicherheits- und Gesundheitsnorm darstellt. Folgen der Verletzung des MG (in der Regel unter der Begründung, es geschehe im Interesse und zum Besten der Gesellschaft) sind sowohl aus der Geschichte als auch aus der Gegenwart bekannt.

(…)

Unsere gegenwärtige Anmerkung: Am Sonntag, dem 25. 10. 1992 wurde die vom Bürgerinstitut im Ballspielhaus der Prager Burg veranstaltete zweitägige Konferenz Idee der tschechischen Staatlichkeit beendet. Aus dem Rundfunk wurden wir darüber informiert, dass der Konzeption des Bürgerstaates der Staat als Garant der moralischen Entwicklung des Bürgerstaates gegenüberstand. Diese Konzeption steht im Einklang mit der Meinung der WHO – der UNO-Weltgesundheitsorganisation, dass die Regierung die Verantwortung für die Gesundheit ihrer Bürger trägt. Der Sieg wurde dem Bürgerstaat zugesprochen.


9.

Zum Ziel nur auf rechtschaffenem Weg


Ing. Alena Hromádková, Mitglied des Vorbereitungsausschusses der DEU – Demokratische Union – äußerte sich zu dem wichtigsten Punkt des DEU-Programms wie folgt: „Nur der Wille zur Erneuerung der besten europäischen (d.h. christlichen) Traditionen kann meiner Meinung nach zum Gedeihen öffentlicher und persönlicher Sachen führen. Ähnlich brachte dies Václav Klaus in seiner Neujahrsrede im Jahre 1993 zum Ausdruck: „Ein selbstständiger tschechischer Staat steht am Beginn seiner Existenz und es ist einzig an uns, was für ein Staat es sein wird, was wir in ihn einbringen. … Und drittens: Es geht um die Einleitung einer geistigen Wiedergeburt der tschechischen Gesellschaft, um deren Rückkehr zu den europäischen Traditionen. Ich denke hier vor allem an christliche Traditionen im breitesten Sinne des Wortes.“ (MF Dnes vom 4. 1. 1993. Unsere gegenwärtige Anmerkung: Mit der Realisierung dieses dritten Programmpunktes wurde bis heute noch nicht einmal begonnen, d.h. bis März 2012.) Die Regierung Englands stellte für ein ähnliches Programm die Losung back to basic auf, d.h. zurück zu den Grundlagen gesamtmenschlicher Moral. Das gleiche Ziel, dessen Erfüllung irgendwie nicht gelingen will, haben die folgenden alten Sprüche: „Herrschen heißt erziehen“ (Konfuzius). „Nur auf rechtschaffenem Weg und durch gerechte Taten, mitnichten durch List und Schlechtigkeit, können Menschen an ihr Ziel gelangen. Nur ein rechtschaffenes Handeln ist zum Vorteil des Menschen.“ (M. T. Cicero) Einen Erfolg kann man in dieser Hinsicht bei unserer von TGM geführten Staatlichkeit verzeichnen. Aus der dem DEU-Programm entsprechenden Lebensanschauung TGMs zitieren wir: „Kein Staat, der die Grundlagen der Moral verletzt, ist von Bestand. Ich glaube nicht, dass die notwendige Reform nur in wirtschaftlicher Hinsicht vorzunehmen ist. Zugleich ist die Reform von Sitten und Einstellungen vorzunehmen. Ich war nie Atheist, denn es gab keinen Tag, an dem ich nicht an Gott gedacht hätte. Ich wiederhole, Jesus, nicht Caesar, das ist der Sinn tschechischer Geschichte und Demokratie.“ (ČD 23. 3. 2003)

Unsere gegenwärtige Anmerkung: Eine jede Gesetzesverletzung ruft die Autodestruktion all dessen hervor, das unlauter, d.h. gegen das Gesetz, erworben wurde. Es ist lediglich eine Frage der Zeit, wann diese Autodestruktion in einem geeigneten Augenblick, gemäß dem Willen der geistigen Hüter des Gesetzes, in Erscheinung tritt. Die Freiheit der Wahl das Gesetz zu verletzen, ist nur ein Bestandteil der Schule des Lebens, die uns lehrt, die Existenz des Gesetzes und des Gesetzgebers durch eigene Lebenserfahrung zu erkennen und anzuerkennen.


10.

Über die Moral des Marktes


Václav Klaus schrieb in dem von der Tageszeitung Český deník am 17. September 1993 veröffentlichten Artikel Zynismus, oder Ethik des Marktes?: „Ich möchte meine tiefste Überzeugung hervorheben, dass der Markt spontan eine eigene Ethik herausbildet, eine Ethik, die im Einklang steht mit den allgemeinen Vorstellungen der überwiegenden Mehrheit der Menschen über Moral und Anstand in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Wesentlich ist dabei, dass es sich um zwischenmenschliche Beziehungen handelt, die von den Menschen selbst „von unten“ entwickelt wurden, nicht um „von oben“ durch eine moralisierende und im Grunde nichtdemokratische Elite implantierte. Verstehen wir das Wesen, die Gesetze und die Regeln des Marktes, verstehen wir, dass er seine eigene Ethik besitzt und dass diese Ethik gleichbemessbar ist mit jedweden von außen eingesetzten und postulierten moralischen Grundsätzen und Werten.“

Die zitierten Meinungen ergänze ich um eine von der Existenz des natürlichen Moralgesetzes ausgehende Meinung, das die einzige Quelle moralischer Normen für das gesamte menschliche Reich darstellt. Es gilt also sowohl für den Markt als auch für alle weiteren Arten menschlichen Tuns, von welchen insbesondere die Beziehungen innerhalb der Familie, am Arbeitsplatz, zwischen Bürgern und der Staatsmacht, im Sport genannt werden sollen.

Ein jeder Mensch bildet schrittweise eine eigene Weltanschauung heraus, zu dessen untrennbarem Bestandteil ein moralisches System gehört. Dieses moralische System kann sich dem Ideal des Moralgesetzes annähern oder sich von ihm entfernen. Nähert sich die menschliche Moral ihrem von der Natur vorbestimmten Ideal an, spricht man von einer Remoralisierung. Entfernt sie sich, spricht man von einer Demoralisierung. Der Markt kann nur spontan das Niveau der Marktteilnehmer wiederspiegeln. Dasselbe gilt für die Politik. Zu den wichtigsten Aufgaben alle Staatsmächte sollte es gehören, Bedingungen für eine Remoralisierung zu schaffen, nicht nur für eine Remoralisierung der Marktteilnehmer, sondern für die Teilnehmer alles weiteren Tuns des menschlichen Lebens. (Český deník 19. 10. 1993)


11.

Wer sind wir?

Das Leben auf der Erde äußert sich in drei Reichen: im Reich der Pflanzen, Tiere und Menschen. Die Menschen gliederten sich vor etwa 12 000 Jahren vollständig aus dem Tierreich (unsere gegenwärtige Anmerkung: nicht von den Affen!) aus, als aus einer höheren geistigen Sphäre geistige Prinzipien des Ichseins, auch als höheres Ich bezeichnet, in die physischen menschlichen Körper herabstiegen. Dieser außerordentlich wichtige Meilenstein in der Entwicklung der Menschheit beschreibt die Bibel als die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies. In diese Zeit fällt ebenfalls das plötzliche Ende der letzten Eiszeit.

Eine wichtige Bedingung für eine Wende auf dem Weg des Lebens, der die Menschen gesetzmäßig in Krisenerscheinungen und menschliche Tragödien hineinführt und aus Menschen Gewalttäter macht, die sich von der kranken Anschauung leiten lassen, der Zweck heilige die Mittel, was zu Straftaten führt, ist das Wissen darüber, dass die jedem Menschen von der Natur geschenkte menschliche Macht weder auf Erden noch im Kosmos oder Weltall die höchste Macht darstellt, sondern der Intelligenz der Macht von Weltall und Natur, unserer Ursprungseltern, untergeordnet ist. Zufällig einwirkende blinde Kräfte, wenngleich auch der gesamten Galaxie entspringend, konnten dem Menschen nicht das geben, was sie selbst nicht haben und nicht kennen können: intelligente Macht. Menschliche Macht ist somit dem Willen unserer Eltern untergeordnet, der im Naturgesetz der Weisheit und geistlichen Liebe seinen Ausdruck findet, wovon auch die zehn Gebote abgeleitet wurden. Am kürzesten lässt sich der Inhalt dieses natürlichen Moralgesetzes (kurz MG) mit folgendem Satz ausdrücken: Wovon ich nicht will, dass es mir geschieht, das tue ich auch anderen nicht an. Das MG ist die beste Grundlage einer jeden gesunden Weltanschauung. Wir finden es auch im Christentum, das zum Grundstein der europäischen Kultur wurde und von dem auch wir ausgehen. Menschliche Macht, die sich, bewusst oder unbewusst, gegen die Macht des Weltalls und der Natur auflehnt, hat keine Hoffnung auf einen letztendlichen Erfolg. (3/1994)


12.

Es gibt kein Recht ohne Moral

JUDr. Milan Hulík stellt sich in seinem Artikel die Frage: „Soll ein Richter nach dem Gesetz oder nach der Moral richten?“ Die richtige Antwort finden wir in dem Buch von JUDr. B. Ečer Der Nürnberger Prozess: „Es gibt kein Recht ohne Moral. Ein Recht, dass sich von dieser seiner Quelle loslöst, verdorrt, es geht zugrunde oder es verwandelt sich in das Gegenteil von Recht.“ Ähnlich drückte sich über die Beziehung von Moral und Recht auch der russische Philosoph Vladimír Solovjev aus: „Recht ist ein Mindestmaß an Moral.“

Für Richter, Bürger, Repräsentanten der Staatsmacht ist es tragisch zu glauben, das menschliche Recht sei mehr, es sei wichtiger als die von dem natürlichen Moralgesetz abgeleitete moralische Ordnung, denn vom natürlichen Moralgesetz leiten sich die allmenschlichen moralischen Normen her. Je größer die Abweichung von den Normen des Moralgesetzes ist, um so weniger kann man von einem demokratischen Rechtsstaat, von Gerechtigkeit, Sicherheit, Vertrauen und von gesunden Beziehungen oder einer rechtschaffenen Wirtschaft sprechen. (ČD vom  29. 3. 1994)


13.

Von der Macht und den Kräften der Natur und der Menschen


Allen Kräften ist eines gemeinsam: Sie sind blind. Sie gehorchen lediglich den Gesetzen der Natur und jenem, der sie beherrscht. Neben materiellen Kräften existieren auch immaterielle, geistig-seelische Kräfte. Zuzeiten Adams und Evas erhielten die Menschen von der HMI (Höchsten und Mächtigsten Intelligenz) auch ein wenig derer intelligenter Macht, die dem Menschen die Fähigkeit verlieh, eine eigene Weltanschauung mit wesentlichen und unwesentlichen Zielen herauszubilden und auch die Mittel zu wählen, mit welchen der Mensch seine Ziele verwirklichen möchte. Diese Macht ermöglicht es dem Menschen auch, das Geheimnis und die Gesetze von Natur und Weltall zu erkennen. Von der Überlegenheit der HMI über die menschliche Intelligenz zeugt zum Beispiel auch die Erfindung des Radars, der von der HMI bei Delphinen wohl bereits vor fünfzig Millionen Jahren geschaffen wurde, während er von der intelligenten Macht des Menschen erst im Jahre 1942 in England erfunden wurde. Der Radar half sodann den Engländern, im Zweiten Weltkrieg die Luftschlacht um England zu gewinnen. Das Reich der Tiere wurde von der HMI bislang mit keiner intelligenten Macht ausgestattet, da es sich auf einer kosmischen Entwicklungsstufe unterhalb des Reiches der Menschen befindet. Deshalb sind Tiere nicht in der Lage, Sprache und Schrift zu gebrauchen, sondern lediglich Ton- oder chemische Signale. Durch angeborene Triebe und Instinkte stellte die HMI bei Tieren ein im Einklang mit der Natur stehendes Verhalten sicher. Dementgegen beinhaltet der triebhafte Bereich im Menschen überwiegend das, was einem gesunden Leben und einer gesunden Entwicklung des Menschen im Wege steht. Das Musterbeispiel für richtiges Denken, Fühlen, Worte und Taten der Menschen verleibte die HMI dem natürlichen Gesetz der Weisheit und Liebe ein, das auch Moralgesetz (MG) genannt wird. Die Verwirklichung dieses Musterbeispiels durch die Menschen ist nicht nur eine von der HMI gestellte Aufgabe, sondern auch der wichtigste Sinn des menschlichen Lebens auf Erden. Der Mensch soll sich seinem Vorbild so lange annähern, bis er seinen triebhaften Bereich besiegt und sich vergeistigt. Das MG beherrscht drei Komponenten: Weisheit, Liebe und Gerechtigkeit. Diese Komponenten sind auch der Inhalt des Himmelreichs, das Jesus all jenen Menschen versprach, die seine Lehre annehmen und zu seinen Schülern, Freunden und Mitarbeitern werden. Die HMI wird von den Menschen Gott, Herr, Schöpfer, Vater, Projektant, Erbauer, Instandhalter – des Weltalls und allen Lebens darin – genannt. Die HMI wird auch Gesetzgeber, König der Könige, Richter genannt. In der Bibel steht in Psalm 68 geschrieben: „Gott gibt seinem Volke Macht und Stärke… Erkennt die Macht Gottes an!“

Da der Mensch aus zwei Wesenheiten besteht, aus der wichtigeren geistigen Wesenheit, die der physischen Wesenheit Leben gibt, muss er für ein gesundes Leben und eine gesunde Entwicklung alltäglich nicht nur Energie durch Nahrung für seinen physischen Körper aufnehmen, sondern auch geistige Energie für seine geistigen Körper. Den grundlegenden Teil seiner geistigen Energie schöpft der Mensch während des Tiefschlafs direkt aus den geistigen Welten. Gänzlicher Schlafmangel führt weitaus schneller zum Tode des Menschen als gänzlicher Nahrungsmangel. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, bei vollem Bewusstsein geistige Energie mittels des gesprochenen oder geschriebenen Wortes zu schöpfen. Diese Energie muss selbstverständlich von jemandem im Vorhinein in die Worte gelegt werden. Deshalb ist in der Bibel nachzulesen, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern von jedem Wort Gottes. Dieses Wort, vermittelt durch geistig besonders fortgeschrittene Menschen, die als Sehende, auch Propheten, später Apostel bezeichnet wurden, finden wir in der Bibel. Geistige Energie kann auch durch Atmung aufgenommen werden. Macht es sich der Mensch durch seine falsche Weltanschauung, seinen Materialismus, Egoismus, seine auf Konsum ausgerichtete Lebensweise unmöglich, diese Energie bewusst aufzunehmen, führt dies zu geistigem Hungern und zu geistiger Unterernährung, was weitaus gefährlicher ist, als Unterernährung und Hungern des physischen Körpers. Ebenso schlecht ergeht es einem Zweig, der die Verbindung zu seinem Mutterzweig verliert. (Jihomoravské necenzurované noviny (Südmährische Zensurfreie Zeitung) Nr. 04/1994)


14.

Über die Verantwortung für den Gebrauch der Macht


Václav Havel sagte auf dem Europäischen Kulturkolloquium, das vom 6. bis zum 11. September 1993 unter dem Motto „Wahrheit macht uns frei“ in Prag stattfand, Folgendes: „Für das System war es charakteristisch (und das war daran in gewisser Weise das Teuflische), die Verantwortung für Gemeinsachen sehr systematisch auf alle auszubreiten. Alle wurden gleichsam aufgesogen und mitverantwortlich gemacht – indem sie zum Schweigen gezwungen wurden, zu Manifestationen, zum Wahlgang und so weiter. Indem es die Verantwortung derart auf die gesamte Gesellschaft ausweitete, entband es sich gleichzeitig aus dieser bis zu einem gewissen Grad.“ (Das Zitat wurde aus dem am 17. 9. 1993 in Lidová demokracie (Volksdemokratie) veröffentlichten Artikel „Wahrheit und Lüge haben zwei Seiten“ übernommen). Ich zitiere weiter aus dem Buch Václav Havels „In verschiedene Richtungen“: „Für Pavel Wonka. Wir verabschieden uns von einem jungen Mann, der sein Leben einem einzigen Ziel unterworfen hatte: dem Kampf für etwas, was er als Rechtskultur bezeichnete… Für Pavels Tod tragen nicht nur gleichgültige und abgestumpfte Richter und Staatsanwälte und demoralisierte Gefängnisfunktionäre ihren Teil der Verantwortung. Die gesamte Gesellschaft trägt ihn, die den Niedergang der Rechtskultur und damit auch der Achtung eines jeden einzelnen menschlichen Wesens geschehen ließ. Seinen Teil der Verantwortung trägt also ein jeder von uns. Und angesichts dieses Opfers ist es auch an einem jeden von uns, auf die jeweils den Möglichkeiten und Fähigkeiten entsprechende Weise unsere Bestrebungen zur Durchsetzung des Sieges von Wahrheit und Recht zu verstärken.“

Vor allem muss gesagt werden, dass das kommunistische System im Februar 1948 die gesamte Staatsmacht übernahm und damit auch die gesamte Verantwortung für die Ergebnisse des Gebrauchs oder Missbrauchs dieser Macht. Das, was diese Macht auf sehr systematische Weise auf alle ausbreitete, war nicht die Mitverantwortung für den Missbrauch dieser Macht, sondern die unwissenschaftliche Ideologie dieser Macht, eine ungesunde Abhängigkeit von der herrschenden Macht und eine Demoralisierung, die alle Bereiche des menschlichen Lebens betraf. Über die Möglichkeit der Beherrschten gegen den Willen der herrschenden Macht in Gemeinsachen einzugreifen schrieb Václav Havel in seinem Buch „Um die menschliche Identität“: „Der Konflikt eines Einzelnen mit der gesellschaftlichen Macht kann nicht anders als mit der Niederlage des isolierten Einzelnen enden.“ Ähnlich drückte sich auch der Vorsitzende der föderalen Regierung der ČSFR, Marián Čalfa, aus: „Wenn die damalige Staatsmacht überhaupt effektiv funktionierte, dann war es gerade eben im Können, den Menschen zu zermalmen.“ (Tageszeitung Lidové noviny vom 11. 7. 1990). Nicht die von dieser Macht beherrschte Gesellschaft beteiligte sich an der politischen Macht, sondern auserwählte Menschen, welchen ein Teil dieser Macht anvertraut wurde und damit auch ein entsprechender Teil der Verantwortung. Ferner gehörten zu diesen Menschen Organisatoren, Anleiter und Gehilfen, die mit der Staatsmacht zusammenarbeiteten.

Ähnlich, wie ein Mann, der eine Frau vergewaltigt, auch den kleinsten Teil seiner Verantwortung nicht auf sein Opfer übertragen kann, nur aus dem Grunde, dass es sich zu wenig oder ggf. überhaupt nicht gewehrt hat, weil der Mann bewaffnet war, mit dem Tode drohte und die Frau wusste, dass er zu allem bereit ist – ähnlich verhält es sich auch im Falle der politischen Vergewaltigung des Bürgers und dessen natürlicher menschlicher Rechte durch die totalitäre Staatsmacht.

Eine Verantwortung der Beherrschten gab es dennoch, jedoch nur unter Anwendung der eigenen Macht im Hinblick auf das natürliche Moralgesetz (MG), von dem der Vertreter Frankreichs, Champetier de Ribes, während des Nürnberger Prozesses sagte: „Indem Sie kollektive Organisationen als verbrecherisch erklären, indem Sie der Welt feierlich verkünden, dass über der Willkür von Menschen und Regierungen das Gesetz der Moral steht, dem sowohl öffentlich tätige Menschen als auch Privatleute, sowohl Völker als auch Einzelne verpflichtet sind, und dass es ein Verbrechen ist, dieses Gesetz zu verletzen, trägt Ihre verurteilende Aussage nachhaltig zum großen Werk der universalen Pazifizierung bei.“ Auch hier gilt: Unkenntnis des Gesetzes ist keine Entschuldigung. Durch die Einhaltung oder Nichteinhaltung des Gesetzes bahnen sich die Menschen den Weg für ein besseres oder ein schlechteres Schicksal. Und gibt es ein Gesetz, gibt es auch einen Gesetzgeber. (Necenzurované noviny (Zensurfreie Zeitung) - 4/94)


15.

Via lucis - Der Weg des Lichts


Das Buch „Der Weg des Lichts“ schrieb J. A. Comenius (1592-1670) in England.

Der Weg des Lichts, bisher aufgesucht und auch weiterhin aufgesucht werdend, d.h. eine durchdachte Suche danach, wie im sich nähernden Anbruch der Weltfinsternis das Licht des Verstandes, der Weisheit im Geiste aller Menschen und unter allen Völkern erfolgreich verbreitet werden kann. Wenn also dem Geiste eine allgemeine Helligkeit verliehen wird, in der alle das rechte Gute richtig sehen und erkennen, dass alles sich unter dem Himmelszelt befindliche dem Himmel untergeben ist oder sein soll (sofern es nicht verschwinden oder untergehen soll), erwacht in ihnen das wirkliche Bestreben, um dieses Gute auch zu ringen und dem entgegenwirkenden Bösen auszuweichen. Ist das Licht ewig, d.h. das menschlichen Sinnen unzugängliche Leuchten, in dem Gott wohnt. Das äußere Licht ist das mit körperlichen Augen wahrnehmbare Leuchten. Das innere Licht ist ein im Geiste eines vernunftbegabten Geschöpfes entzündetes Leuchten, ihn auf seinen Wegen erleuchtend und führend. Finsternis ist nichts anderes als ein Zustand ohne Licht. Das Licht hat die Macht, die Finsternis zu vertreiben, nicht umgekehrt. Die Finsternis besitzt keine Kraft, das Licht zu beseitigen. Quelle des Lichtes ist auch der menschliche Geist, leuchtend durch angeborene Ideen. Auch das Gesetz ist Licht. Wohin kein Licht gelangt, dort nimmt eine Finsternis wie in tiefen unterirdischen Höhlen einen festen Platz ein. Ähnlich herrscht in einem von keiner Erkenntnis der Dinge durchdrungenem Geist unausweichlich Unwissenheit. Wendet sich etwas vom Licht ab, so hüllt es sich in Schatten. So hat ein sich von der Sonne abwendender Stier sogleich seinen Schatten vor sich. So bringt auch der Verstand, abgewandt von den Dingen und sich selbst zugewandt, Schatten von Trugbildern anstelle der rechten Erkenntnis der Dinge hervor. Schatten und Finsternis täuschen dingliches und positives Wesen vor, das sie jedoch nicht haben. Je besser sich die Natur zeigt, desto mehr erglänzt die Herrlichkeit des Schöpfers. Der Teufel ist unablässig darum bemüht, den Menschen Gut und Böse unkenntlich zu machen, gar sie dahin zu bringen, Gut für Böse und Böse für Gut zu halten und sich in diese Ketten der Unwissenheit willfährig binden zu lassen. Notwendigerweise muss es um den Zustand eines Staates oder einer Religion schlecht bestellt sein, dessen oder deren Sicherheit von der Unwissenheit und Versklavung der Untergebenen abhängig ist! Rechte Religion und rechte Staatsordnung (wie wir sie uns für die ganze Welt wünschen) sind Dinge des Lichts, ihre Sicherheit kommt aus dem Licht, mitnichten aus der Finsternis. Es gibt wirklich nicht Sichereres, als dass, lassen wir die Jugend auch weiterhin wie bisher wachsen wie das Holz im Walde, sich ihr Geist wie bisher mit den Nichtigkeiten der Dinge befassen wird. Die gesamte Hoffnung auf Bekehrung der Welt zum Besseren hin hängt von der Bildung der Jugend ab, einer noch unangetasteten, Gestaltung und Umgestaltung zugänglichen Jugend. Es ist im öffentlichen Interesse, keine faulen und naseweisen Menschen heranwachsen und in die menschliche Gesellschaft gelangen zu lassen, die später zu deren Verderben gereichen könnten. Wie allgemein bekannt, was nicht jemandem persönlich auferlegt wird, darum kümmert sich entweder niemand, oder es herrscht, sofern sich alle darum kümmern, Chaos.

Kehren wir zurück! Von der Zersplitterung zur Einheit, von Chaos zu Ordnung, von Vermutungen zur Wahrheit, vom äußeren Umfang der Dinge zu deren Mitte, von uns selbst und von der Erschaffung zu Gott! Das Gesamtergebnis der Verbreitung des Lichts werden ein allgemeiner Friede, Harmonie, ein dreißigjähriges Reich des Wohls und des Guten sein, denn Finsternis, Not und das Böse werden von der Welt verbannt. (Zeitung Jihomoravské NN 07/1994)


16.

Frau Sadílková stellt keine Gefährdung für ihre Umgebung dar


Nur ein vom natürlichen Moralgesetz, mitnichten von einer undemokratischen Staatsmacht abhängiger Richter kann gerecht beurteilen, ob objektive Bedingungen für die Internierung eines Bürgers in eine psychiatrische Anstalt gegeben sind. (ČD 2. 8. 1994)

17.

Über kugelsichere Genossen


Macht ein unabhängiger Journalist auf einen schwerwiegenden Mangel aufmerksam und es geschieht nichts, kann angenommen werden, dass derjenige, der den Fehler beging, im Einklang mit den Interessen seiner Vorgesetzten handelte, ggf. einer Interessengruppe angehört, der er dient. Früher bezeichnete man derartige Fehler begehende Genossen als kugelsicher.

In diesem Zusammenhang können die folgenden Inspirationen aus der Bibel angeführt werden: Wer einen untadeligen Weg begeht, ist in meinen Diensten. Einen jeden Morgen werde ich alle Missetäter zum Schweigen bringen. (Die Worte König Davids aus Psalm 101) (ČD 8. 8. 1994)

18.

Es geht vor allem um das Moralgesetz


Eine jede Ideologie ist mit ihren Zielen und der Wahl der Mittel zu deren Erreichung in dem Maße wahrhaftig (gesund, aufrichtig), in welchem sie sich mit dem natürlichen Moralgesetz (nachfolgend MG genannt) deckt, dem alle menschliche Macht, die für den Menschen von der Macht der Natur programmiert und den Menschen geschenkt wurde, untersteht. Man kann sagen, das Ideologien über das Schicksal von Menschen entscheiden und dass Menschen über das Verwurzeln der einen oder anderen Ideologie in sich selbst und in der Gesellschaft entscheiden.

Eine jede Verfassung ist lediglich der in Paragraphen gefasste Inhalt der einen oder anderen Ideologie. Die sozialistische Verfassung brachte klar zum Ausdruck, von welcher Ideologie sie sich leiten lässt. Die Verfassung der Tschechischen Republik drückt sich in diesem Sinne verschleiert aus, gemäß Art. 2 Abs. (1) der Akte der Grundrechte und Grundfreiheiten des Menschen: „Der Staat ist auf demokratischen Werten begründet und darf weder an eine ausschließliche Ideologie noch an einen religiösen Glauben gebunden werden.“ Wir wissen bereits, dass die demokratischen Werte in der Gesellschaft von unterschiedlichem Inhalt sein können. Und welche Ideologien sind denn eigentlich die ausschließlichen und welche ist die nichtausschließliche, sprich die überparteiliche? Warum lehnte die Konferenz über die Idee der tschechischen Staatlichkeit, die im Oktober 1992 in Prag stattfand, die Auffassung des Staates als Garant für die moralische Entwicklung der Bürger ab und gab der inhaltlich unklaren Auffassung des Bürgerstaates den Vorrang? (ČD 6. September 1994)


19.

Über verzerrte und geradlinige Ideologien und Menschen


Von Urbeginn seiner Erdenexistenz an entwickelt der Mensch eine eigene Weltanschauung, eine eigene Ideologie. Bildlich gesprochen ist der Lebensweg des Menschen links von einer verzerrten, gekrümmten Mauer eingegrenzt, rechts durch eine geradlinige weiße Mauer. Anfangs übernimmt der Mensch die Ideologie seiner nächsten Umgebung, seiner Eltern. Im Heranwachsen formt er sich jedoch oft eine eigene, auf seinen Lebenserfahrungen und seiner angeborenen Wesensart beruhende Weltanschauung heraus. In der Regel finden sich die neuen Menschen irgendwo in der Mitte des Weges wieder. Manche Menschen geraten bei der Suche ihrer Ideologie von einer Mauer zur anderen. Mit der Zeit machen sie sich jedoch einen der einen oder der anderen der beiden Mauern näheren Weg zu eigen. Der linke Teil des Lebenswegs ist zwar bequemer und bringt mancherlei materielle Vorteile mit sich, er führt jedoch gegen die Gesetze der Natur und bringt seine Wanderer letztendlich in das Reich des Bösen. Der rechte Teil des Wegs führt seine Wanderer in das Reich (Königreich) des Guten, der Wahrheit, der Toleranz, des Friedens und des guten Willens.

Das Wort Ideologie ist neuzeitlicher Herkunft. Die alte Zeit verwendete das Wort Pfad, Weg, wie wir dies auch in der Bibel nachlesen können, die den verzerrten, gekrümmten Lebensweg den Weg des Todes nennt und den geraden Lebensweg als Weg des Lebens bezeichnet. Ein jeder Mensch erschafft sich jedoch eine qualitativ unterschiedliche Mischung beider Wege, sodass gesagt werden kann, dass es auf Erden keine Menschen mit völlig gleicher Ideologie gibt. Insbesondere in der Politik wird die Ideologie (und die davon abgeleiteten Parteiprogramme) in Linke, die Mitte und die Rechte geteilt.

Die gesamte Menschheitsgeschichte gibt Zeugnis über den Kampf verzerrter Ideologien und Menschen mit geradlinigen Ideologien und Menschen. Der Kampf wäre schon längst von dem linken System gewonnen, gäbe es da nicht für alle menschlichen Mächte die bindenden Regeln der Natur, die wir als allmenschliche Moralnormen kennen. Deren Verletzung bestätigt letztendlich in Form eines Experiments, wenn die Verletzung der Gesetzmäßigkeiten durch die Menschen ihre Früchte bringt, dass der Mensch keine Möglichkeit hat, seine Wahrheit gegen die Wahrheit der Natur durchzusetzen. Ein ungenügender Niederschlag der moralischen Normen im Inneren der Menschen ist die wichtigste Ursache für den Bankrott linker Ideologien, Systeme, Wege. (…)

Als manche Menschen den Göttern Opfer darbrachten, damit ein Sohn geboren würde, sagte Diogenés: „Und dafür, wie er sein soll, bringt Ihr kein Opfer dar?“ Ähnlich verhält es sich mit der Demokratie. Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes. Ist dieses Volk jedoch ideologisch, in seinen Anschauungen verzerrt, nicht gerade, ist auch die Demokratie verzerrt. Das Wesen der Demokratie wurzelt also nicht nur in der freien Wahl, sondern in der Freiheit von Amoralität, in der Freiheit, die moralische Ordnung der Natur einzuhalten. Die Konferenz über die Idee der tschechischen Staatlichkeit, organisiert vom Bürgerinstitut (Občanským institutem) am 24. und 25. Oktober 1992 in Prag, sprach sich gegen die Auffassung des Staates als Garant der moralischen Entwicklung der Bürger des Staates aus und stimmte im Widerspruch zur Wahrheit der Natur der neutralen Auffassung von einem Bürgerstaat zu. Wohl aus diesem Grund lebt bis heute in den Köpfen vieler Menschen und Schüler eine verzerrte, kranke Ideologie anstelle einer geradlinigen, gesunden, wahren Ideologie. Nur eine partielle, sekundäre Systemänderung unserer Wirtschaft allein kann keine Entwicklung der Gesellschaft in die rechte Richtung bewirken. Das schlechte geistig-moralische Niveau der Menschen bringt früher oder später nicht nur gute wirtschaftliche Systeme zu Fall, sondern auch die Demokratie selbst.

Die grundlegende Voraussetzung für eine Reform der Anschauung ist das Begreifen der Wahrheit, dass der Mensch im Weltall nicht die höchste intelligente Macht darstellt. Es wäre deshalb naiv und verantwortungslos zu glauben, dass menschliche Macht, programmiert durch die Macht der Natur, der Macht der Natur nicht unterstehe. Für eine jede menschliche Macht gelten demnach die folgenden vier Grundelemente: Rechte, Pflichten, Verantwortung für den Gebrauch oder den Missbrauch anvertrauter Macht, Vergeltung, d.h. Gerechtigkeit für den Gebrauch oder Missbrauch der Macht. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass es eher notwendig ist, sich von den Anweisungen allmenschlicher Moralnormen leiten zu lassen, als von den verzerrten Anweisungen einer dem Menschen vorgesetzten Macht. Da die Gegenwart stets nur die Wirkungsgerade der Vergangenheit darstellt, gibt der gegenwärtige Zustand deutlich zu verstehen, dass eine Reform der Anschauung nicht mehr lange aufgeschoben werden kann. Von einer moralisch-geistigen Wiedergeburt darf nicht nur gesprochen werden, sie muss zu einer vorrangigen Aufgabe des Staates erhoben werden. (ČD  8. September 1994)


20.

Was würde uns T.G.M. heute sagen


Wie bereits die alten Griechen und Römer verkündeten, ist Gerechtigkeit die Grundlage des Staates. Ohne die allgemeine Anerkennung der moralischen Grundlagen des Staates und der Politik kann kein Staat, keine gesellschaftliche Organisation verwaltet werden. Kein Staat, der die allmenschlichen Grundlagen der Moral verletzt, ist von Bestand. Der Staat hat moralischen Zwecken zu dienen. Ich glaube nicht an die Allmacht politischer Gewalt. Demokratie ist nicht nur ein politisches, sondern auch und vor allem ein moralisches System. Unsere Demokratie muss eine kontinuierliche Reform, eine kontinuierliche Revolution - jedoch eine Revolution von Köpfen und Herzen - sein. Eine echte, auf der Liebe und Achtung zum Nächsten und zu allen Nächsten basierende Demokratie ist die Verwirklichung Göttlicher Ordnung auf Erden. Die Demokratie stellt das kontinuierliche Streben nach der Erziehung des Bürgers als solchen dar. Weist die Demokratie Mängel auf, sind diese Mängel und nicht die Demokratie abzustellen. Der gesamte Kulturfortschritt muss der Besserung von Moral und Leben dienen. Gelehrtheit, Doktorprüfungen und -titel sind keine Garantie für Anstand, Ehrlichkeit oder Mut.

Ich glaube nicht, dass die notwendige Reform nur in wirtschaftlicher Hinsicht vorzunehmen ist. Zugleich ist die Reform von Moral und Anschauungen vorzunehmen. Wenden wir uns vom Licht zur Finsternis, von der Liebe zur Gewalt, dann kehren wir in unser Grab zurück, aus dem es für uns keine Auferstehung mehr gibt. Unsere Wiedergeburt muss eine Wiedergeburt der Seele sein. Die einfache Regel: „Du sollst nicht lügen!“ belehrt tausendmal mehr als alle Reden von Volk und Vaterland. Von Comenius müssen wir lernen, dass Bildung die Zukunft der Völker sicherstellt, Bildung auf moralischer Grundlage. Ich bin der festen Hoffnung, dass sich unser Volk zur moralischen Höhe seines großen Mannes, Propheten und Lehrers erhebt. All meine Bestrebungen waren und sind auf dieses eine Ziel gerichtet.

Böhmen war ab dem Mittelalter eines der kultiviertesten Länder. Unsere ruhmreiche Vergangenheit, unsere große Vergangenheit ist klein im Verhältnis dazu, wohin sie zeigt. Wir müssen endlich unseren eigenen – tschechischen – Weg gehen. Humanität, reines Menschsein, ist wirklich nichts anderes als das Ideal allgemeiner Brüderlichkeit, das Ideal unserer brüderlichen Einheit, ein wahrlich tschechisches Ideal. Humanität ist ein neueres Wort für den alten Ausdruck Nächstenliebe. Ich bin kategorischer Gegner der materialistischen Weltanschauung. Moralisch zu leben, das ist die wahre Verehrung Gottes. Die Aufgabe besteht darin, unter den gegebenen Bedingungen in sich einen wahrlich tschechischen Menschen heranzubilden, einen modernen philosophischen Fortschreiter auf dem Wege unserer Vorfahren. (ČD 14. September 1994)


21.

Bei der Errichtung der Moral müssen wir mit eigenem Beispiel vorangehen


Ein Repräsentant der gesetzgebenden Macht der Tschechischen Republik, Milan Uhde, sagte u.a.: „In einer Demokratie sind moralische, gesamtgesellschaftlich verbindliche Projekte absolute Privatsache. Es ist unmöglich, sich vorzustellen, dass zum Beispiel die Regierung oder eine poltische Partei ein Konzept zur moralischen Wiedergeburt der Gesellschaft verkündet. Ich denke, eine Demokratie ist das Gegenteil von Totalität, die voller großer Projekte ist. Haben wir eine Demokratie, bedeutet dies, dass die einen in die Kirche gehen, während die anderen Wohltätigkeit ausüben, wieder andere schreiben Gedichte und andere pfeifen auf alles.“

Die zitierte Meinung unterstützt nur scheinbar eine solide, auf einer guten moralischen Gesundheit der Repräsentanten der Staatsmacht und der Bürger beruhende Demokratie. In Wahrheit delegiert sie die Verantwortung der Staatsmacht für die Erschaffung von Bedingungen für die Verbesserung des Niveaus der moralischen Gesundheit der Gesellschaft, und damit auch für die Verbesserung der Demokratie selbst, auf die Gesellschaft – in früherer Terminologie gesprochen, auf das „Volk“, d.h. auf niemanden.

So, wie die Beseitigung der Folgen von Naturkatastrophen von der Staatsmacht nicht als absolute Privatsache abgetan werden kann, als Sache der Betroffenen, ist dies ähnlich auch im Falle einer solchen Naturkatastrophe nicht möglich, als die die Demoralisierung der Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten betrachtet werden kann.

Absolut privat ist lediglich die Erschaffung moralischer Gesundheit, denn das Niveau kann nicht per Dekret auferlegt werden, von außen erzwungen werden, aber es kann durch äußere Macht in positive oder negative Richtung beeinflusst werden, insbesondere durch Erziehung, die einen untrennbaren Bestandteil einer jeden Staats- und Bürgermacht darstellt.

Warum die Staatsmacht keine Lust hat, etwas organisiert und finanziell unterstützt für die Verbesserung der moralischen Gesundheit der Gesellschaft zu tun, begründet Milan Uhde mit dem Argument, dass wir eine Demokratie haben (d.h. Freiheit der Wahl von Anschauungen und Handeln), die eine Schaffung von Bedingungen für die Verbesserung des Niveaus der moralischen Gesundheit der Gesellschaft ausschließt - dies sei eine totalitäre Erscheinungsform. Kann jedoch eine gewaltfreie, zu einem besseren Niveau von Gesundheit und einem besseren Niveau von Demokratie führende erzieherische Tätigkeit als eine totalitäre Erscheinungsform betrachtet werden? Ist es nicht die Pflicht aller Träger von Macht (staatlicher und privater) in ihrem Wirkungsbereich durch rechtschaffenes Handeln dem Niedergang der moralischen Gesundheit, moralischen Schäden an Gesundheit vorzubeugen, die in der Regel stets auf den Fuß folgenden materiellen Schäden vorangehen? (Unsere gegenwärtige Anmerkung: einschließlich von durch Kriminalität, insbesondere Korruption, verursachter Schäden. Ein langzeitiges Erziehungsinstrument aller Staatsmächte sind die Ministerien für Schulwesen und Kultur.) Erziehungstätigkeit sollte sicherlich eine Dienstleistung, keinesfalls eine Tyrannei, totalitäres Herrschen sein. Ein ungutes geistiges und moralisches Niveau von Menschen ist – unabhängig vom bereits erreichten Grad schulischer Bildung – eine Brutstätte für kriminelle Elemente. Die Praxis des Lebens zeigte, wie leicht sich private Amoralität mit der Amoralität von Repräsentanten staatlicher Macht vereint.

Demokratien, in welchen die staatliche Macht ein niedriges und sinkendes Niveau moralischer Gesundheit toleriert, werden gesetzmäßig im Laufe der Zeit zu lediglich formalen Demokratien, in der Regel jedoch ausgestattet mit einer mächtigen geheimen totalitären Macht, die, sofern es sich für sie als nützlich erweist, die Rechte und Freiheiten von Bürgern nicht berücksichtigen muss. (NN Nr. 07/95 vom 17. Februar 1995)


22.

Über zwei Säulen der Demokratie


Laut der Präambel der Verfassung der Tschechischen Republik begründet sich ein demokratischer Staat auf der Achtung der Menschenrechte (erster Pfeiler) und auf den Grundsätzen der Bürgergesellschaft (zweiter Pfeiler). Der erste Pfeiler kann von den Trägern der Staatsmacht errichtet werden, indem die Rechte der Bürger Gesetzen einverleibt werden (bei uns das Verfassungsgesetz Nr. 23/91 Slg. Akte der Grundrechte und Grundfreiheiten, das zu einem Bestandteil der Verfassungsordnung der Tschechischen Republik wurde und den Bürger und dessen Rechte vor dem Missbrauch der Rechte durch Repräsentanten der Staatsmacht schützen soll.) Wenn Präsident Havel etwa im Mai 1994 sagte, dass die Tschechische Republik kein postkommunistischer Staat mehr ist, sondern einfach eine Demokratie wie jede andere auch, so kann diese Aussage lediglich auf den ersten Pfeiler der Demokratie bezogen werden. T. G. Masaryk drückte sich über den zweiten Pfeiler wie folgt aus: „Die Demokratie hätten wir nun, jetzt brauchen wir noch die Demokraten.“ Der zweite Pfeiler wurde inhaltlich von Václav Havel in seinem Buch „Sommer-Meditationen“ beschrieben (Odeon, Prag 1991): „Ich bin der Überzeugung, dass wir niemals einen demokratischen Rechtsstaat errichten können, wenn wir nicht gleichzeitig auch einen ... menschlichen, moralischen, geistigen und kulturellen Staat errichten.“ Dieser zweite Pfeiler kann nicht per Dekret verordnet oder per Gesetz verabschiedet werden, dessen Errichtung ist ein absolut privater Prozess, der die Staatsmacht jedoch positiv oder negativ beeinflussen kann. Dank einer die Existenz des natürlichen Moralgesetzes nicht anerkennenden Ideologie beeinflusste die Staatsmacht den Prozess der Errichtung des zweiten Pfeilers der Demokratie in den Ländern des ehemaligen Friedenslagers nur negativ.

Gorbačov sagte: „Demokratie ist auch eine moralische Reinigung der Gesellschaft, die Erneuerung ihrer moralischen Gesundheit. Wir müssen konsequent auch den Weg der geistigen und moralischen Wiedergeburt der Gesellschaft begehen.“ Ähnlich äußerte sich auch Alexander Solženicyn: „Lernen wir es nicht, unsere Interessen energisch den moralischen Imperativen zu unterwerfen, fallen wir als Menschengeschlecht dem Untergang anheim.“ Und T. G. Masaryk: „Demokratie ist nicht nur ein politisches, sondern auch, und dies vor allem, ein moralisches System. Der Staat hat moralischen Zwecken zu dienen.“

Als drittes Moment, das unsere Zukunft vorbestimmen wird, nannte Ministerpräsident Klaus im Jahre 1993 in seiner Neujahrsansprache nicht nur die Erneuerung der grundlegenden Rechte und Freiheiten, sondern auch den Beginn der geistigen Wiedergeburt der tschechischen Gesellschaft auf der Grundlage christlicher Traditionen im weitesten Sinne des Wortes. Und was sagen die Leser der Tschechischen Wochenzeitung (Český týdeník)? František Výmola schreibt in seinem Brief in ČD vom 16. 7. 1994: „Die moralische Erziehung unserer Jugend ist dank des extrem trostlosen Zustandes im Bereich Unterricht und Erziehung unseres Schulwesens ernsthaft gefährdet. Aus dem Bewusstsein der Menschen entschwinden die letzten Reste moralischer Grundsätze, die uns von der christlichen Erziehung und aus dem Vermächtnis TGMs hinterlassen wurden. Dr. Jirásek aus Prag schrieb in ČD vom 19. 5. 1994: „Ein Grundpfeiler der Demokratie ist die Erhaltung der Regeln der Moral, des Anstands und der Gerechtigkeit.“ Luděk Frýbort aus Hannover schätzte in seinem Beitrag für ČD vom 12. 11. 1994 das Potential des menschlichen Anstandes in der Tschechischen Republik auf 20 Prozent, in der westlichen Gesellschaft auf etwa 70 Prozent.

Der höchste Vertreter der gesetzgebenden Macht der Tschechischen Republik, Milan Uhde, sagte laut Tschechischer Tageszeitung vom 15. November 1994: „In einer Demokratie sind moralische, gesamtgesellschaftlich verbindliche Projekte absolute Privatsache. Es ist unmöglich, sich vorzustellen, dass zum Beispiel die Regierung oder eine poltische Partei ein Konzept zur moralischen Wiedergeburt der Gesellschaft verkündet. Ich denke, eine Demokratie ist das Gegenteil von Totalität, die voller großer Projekte ist. Haben wir eine Demokratie, bedeutet dies, dass die einen in die Kirche gehen, während die anderen Wohltätigkeit ausüben, wieder andere schreiben Gedichte und andere pfeifen auf alles.“ Kann jedoch die Hilfe des Staates beim Dienst am höchsten Interesse des Volkes als totalitäre Erscheinung betrachtet werden? Ist nicht vielmehr die menschliche Freiheit der Wahl von Anschauungen und Handeln lediglich ein Sprungbrett für die wichtigste Tätigkeit der Menschen überhaupt, d.h. für die Errichtung des zweiten Pfeilers der Demokratie? (ČTD Nr. 21, 14.-16. März 1995)


23.

Wie ist es um unsere Moral bestellt?


Tomáš Ježek, Vorsitzender des Etatausschusses, schrieb unter der vorstehenden Überschrift für die Tageszeitung Lidové noviny (10. 3. 95) einen Artikel über Moral, d.h. über den wichtigsten Pfeiler der Demokratie: „Unsere Hoffnung auf Erneuerung der Moral, deren Unzulänglichkeit wir alle in so drückender Weise verspüren, stützt sich auf institutionelle Veränderungen, die von uns vorgenommen wurden oder gerade ihrem Ende zugeführt werden.“ Diese Ansicht erinnert an die sozialistische Theorie über Moral als Überbau der wirtschaftlichen Basis. Die Entstehung von Moral im Menschen erklärt Ježek auch mit der Angst des Menschen vor einer Bestrafung durch Menschen oder durch Gott, für etwas, was man nicht tun darf. Diese Angst führt angeblich zur allmählichen Entstehung innerer Barrieren – der Moral. Positive Charaktere entstehen jedoch auf andere Weise – durch ein rechtschaffenes Verhältnis der Menschen zum Moralgesetz, bekannt als allmenschliche Moralnormen, ggf. als die Zehn Gebote. Sie entstehen insbesondere durch die Annahme der Überzeugung von der Richtigkeit der Wahrheit über den Sinn des menschlichen Lebens im Einklang mit dem Moralgesetz, das nicht davon abhängig ist, ob in der Gesellschaft Markt- oder sozialistische Wirtschaft herrscht. Erst durch eine von außen nicht erzwungene Einhaltung dieser Normen wächst der Charakter des Menschen. Dieser ist jedoch weder ein durchschnittlicher Anstand noch schulische Bildung. (Unsere gegenwärtige Anmerkung: Angst ist eine Erscheinung der Macht der Finsternis und hat mit einer wirklich rechtschaffenen Moral nichts gemein. Rechtschaffene Moral erwächst aus Liebe /geistiger, nicht sexueller/ und aus der Achtung vor und der Liebe zum Gesetzgeber aller Naturgesetze, einschließlich seines Moralgesetzes.)

Tomáš Ježek fragt in seinem Artikel unter anderem: „Warum ist es um uns so schlecht bestellt?“ Weil in den Köpfen vieler Menschen eine materialistische Ideologie vorherrscht, die die moralischen Normen aufhob und sie durch menschliche, von dem Verhältnis der Menschen zu den Produktionsmitteln und zur Macht (moralisch ist alles, was hilft, den Sozialismus zu errichten) abgeleitete Normen ersetzte. So wurde diese Ideologie zur ausschließlichen, unwissenschaftlichen, Verderben bringenden Ideologie, die gesetzmäßig nach einiger Zeit zum Verfall führt. Deutschland, das den Krieg verloren hatte und sein Land auf Trümmern aufbaute, gehört heute insbesondere deshalb zu den Stützpfeilern prosperierender demokratischer Staaten, da es die Verderben bringende faschistische Ideologie sofort nach dem Krieg durch die christliche, die Moral gemäß dem Moralgesetz in sich tragende Ideologie ersetzte.

Die Zielstationen eines guten Lebensniveaus, Ökologie, gegenseitiger Achtung, gegenseitigen Vertrauens und des Friedens in den Beziehungen der Menschen, Staaten und Rassen können nur auf einem über die Station Moral gemäß dem Moralgesetz führenden Weg erreicht werden. Erfahrungen aus der Geschichte gereichten der Menschheit und insbesondere deren Führern offensichtlich nicht zur Lehre. Deshalb steht auch bei uns bis jetzt die Weiche zu dieser wichtigsten Station auf dem Weg des Lebens immer noch auf Rot, obwohl unser Staat Voraussetzungen dafür hat, zu einer geistigen Großmacht heranzuwachsen. (ČTD 21. April 1995)



24.

Angst formt keinen guten Charakter!


Eine gegenteilige Meinung vertrat der Abgeordnete Tomáš Ježek in der Tageszeitung Lidové noviny (10. März 1995). Angst vor einer Strafe schafft angeblich innere Barrieren, die der Herr Abgeordnete als Moral bezeichnet. Diese aus unerlaubtem Handeln hervorgehende Angst wirkt auf den Willen des Menschen ein, an der Schaffung dessen charakterlichen Niveaus, das auch als moralische Gesundheit oder Ehre bezeichnet wird, ist sie jedoch nicht beteiligt. Dieses ändert sich zum Besseren lediglich durch ein freiwilliges, nicht aufgezwungenes Bestreben des Menschen, im Einklang mit seinen eigenen Anschauungen besser zu werden. Dieses Bestreben ist auch das Wesen der Demokratie. Die Pädagogik ist sich sehr wohl dessen bewusst, wie nahe sich Missbrauch von Angst und Dressur, Diktat von der Position der Macht aus, Terror und Manipulation stehen. Deshalb gibt sie dem Dienste an jungen Menschen und der freundschaftlichen Hilfe für junge Menschen bei der Suche nach einer eigenen gesunden Weltanschauung, einem eigenen Lebensweg den Vorrang. Wissen wir doch nur zu gut, in welche Situation Einwohner und Staaten des ehemaligen „Lagers“ des Friedens von der atheistischen und materialistischen Weltanschauung gebracht wurden, in der Angst eine bedeutende Rolle bei der Beherrschung der Bürger durch die Staatsmacht gespielt hatte. Wenn der gesunde Charakter des Menschen, das höchste Ziel der Pädagogik, nur Angst hervorbringen würde, dann könnte man die Änderung des Namens des Ministeriums für Schulwesen in Ministerium für Angst in Erwägung ziehen. Das Wissen um eine Strafe für unerlaubtes Handeln ist lediglich der Beginn für Weisheit, wie uns die Bibel informiert. Deshalb dürfen der Beginn und das sehr fern liegende Ziel der Weisheit, bestehend aus Kenntnis und Einhaltung des Gesetzes und eigene Erfahrungen mit dem Gesetz, nicht verwechselt werden. (ČTD 12. Mai 1995)


25.

Die Entwicklung zu den Idealen der Demokratie

Die führende Idee der Tschechischen Republik soll Demokratie sein, genauer ein Ideal von Demokratie, d.h. eine Weltanschauung der Demokratie, aus dem sodann demokratische Ideale hervorgehen, die nicht nur in der Politik und in den Medien Priorität genießen sollen, sondern auch unter den Bürgern. Die Entwicklung zu demokratischen Idealen wurde in der Präambel der Verfassung der Tschechischen Republik verankert, ebenso in Artikel 2 Abs. (1) der Akte der Grundrechte und Grundfreiheiten: „Der Staat ist auf demokratischen Werten begründet und darf weder an eine ausschließliche Ideologie noch an einen religiösen Glauben gebunden werden. Kann jedoch vorausgesetzt werden, dass eine Partei mit der höchsten Stimmzahl sofort nach Übernahme der führenden Rolle im Staat ihre ausschließliche, d.h. parteiliche Ideologie gegen eine demokratische Ideologie austauscht? Und das Gleiche tun deren Parteimitglieder in ihren neuen staatlichen Funktionen? In vielen Staaten ersetzt deshalb die ausschließliche Ideologie faktisch die reine Ideologie der Demokratie. „Das, was nur für eine Partei, einen Glauben, ein Volk gilt, ist nicht die Wahrheit des ewigen Ideals des menschlichen Geistes.“ (Karel Čapek) Dieses unparteiliche, d.h. nichtausschließliche Ideal ist das Ideal der Demokratie, das weltanschauliche Ideal, das auf der Kenntnis des natürlichen Moralgesetzes (MG) aufbaut.

(ČTD 12/95)

(Unsere gegenwärtige Anmerkung zur Definition des Gesetzes: „Ein Gesetz im wahrsten und eigentlichsten Sinne des Wortes ist eine Regel, die für das Handeln eines intelligenten Wesens von einem anderen intelligenten Wesen aufgestellt wurde, das über ersteres Macht hat.“ Der englische Rechtsphilosophie-Theoretiker J. Austin)


26.

Ist die menschliche Macht die höchste Macht?


Ähnlich wie ein guter Arzt nicht nur die Symptome einer Krankheit heilt, sondern auch deren Ursachen, genügt es nicht, dass Zeitungen nur über über einzelne Symptome des unguten Niveaus der Demokratie berichten. Sie sollten ihre Aufmerksamkeit auch den Ursachen der Erkrankung der Demokratie widmen.

Ein sehr wichtiger Schritt zum Wachstum guter Demokraten ist das sich Bewusstwerden jener Tatsache, dass menschliche Macht kein Geschenk des Zufalls ist, sondern ein Geschenk der intelligenten Macht der Natur, die der menschlichen Macht auch übergeordnet ist. Sie steht ihrem Missbrauch nicht neutral gegenüber, sondern stellt sicher, dass der Machtmissbrauch früher oder später zu den Menschen wie ein Bumerang zurückkehrt. Dieser Missbrauch wird Amoralität genannt. Diese ist in der Lage, dem Menschen recht große Vorteile zu verschaffen, die jedoch nicht von Bestand sind und sowohl dem Menschen als auch der Gesellschaft früher oder später mehr Schaden als Nutzen bringen. Erst, wenn die Menschen frei von Amoralität handeln, hören sie auf, Öl in das auf Erden brennende Feuer des Bösen zu gießen und das Feuer des Bösen erlischt. Es ist so, die menschliche Macht ist nicht die höchste Macht auf Erden! (ČTD Nr. 43 vom 30. 5. 1995)


27.

Versuchen wir es von Neuem?


Berühmt ist Aristoteles' Definition des Sklaven: „Ein Sklave ist ein lebendiges Instrument, ein Instrument ist ein nichtlebendiger Sklave.“ Karel Čapek produzierte in seinem bekannten Schauspiel R.U.R. Sklaven - Roboter aus einer neu erfundenen künstlichen, lebendigen Masse. Jedoch bereits der syrische König Antiochos IV. wand bei der Schaffung eines „einheitlichen Volkes“ eine bessere Erfindung an. Er übernahm von der Natur den fertigen menschlichen Körper, den er seinen Bedürfnissen mittels der zweiten Komponente des menschlichen Seins, der Psyche, unterwarf. Er befahl die Errichtung heiliger Haine, (1. Buch der Makkabäer, 1. Kapitel), hier befleckte er die Seele jüdischer Söhne so lange mit Unreinheit und Abscheulichkeiten, bis eine jede Erinnerung an Gottes Gesetz ausgetilgt und alle Bestimmungen geändert waren. Auch Josef Stalin, Adolf Hitler und Pol-Pot führten die Produktion eines einheitlichen Volkes fast bis zur Vollkommenheit. Heute ist die große Bedeutung des nicht nur in den Titeln beider Bibelteile erwähnten Moralgesetzes in Vergessenheit geraten. Dessen Unkenntnis und Nichteinhaltung kommt den Menschen fortwährend durch die verschiedensten Tragödien teuer zu stehen. Dieses Gesetz ist die wichtigste im Reich der Menschen seit jeher geltende Norm für Sicherheit und Gesundheit, es ist auch eine Quelle für Werte, die es nirgendwo zu kaufen gibt.

In der Hussitenbewegung stellte sich das tschechische Volk schon einmal gegen durch Abkehr vom Gesetz bewirkte gesellschaftliche Ungerechtigkeit. Die Hussiten setzten jedoch ein unrechtes Mittel (Verteidigungskriege) zur Erreichung ihres Zieles ein, wodurch dieses entwertet wurde. Für Gerechtigkeit kann nur mit den Argumenten der Wahrheit, nicht mit den Argumenten von Waffen gekämpft werden. Erhält die Demokratische Union die Möglichkeit, einen neuen Versuch der Zuwendung des Volkes zum Gesetz zu initiieren, d.h. zum Ideal der Demokratie, aufgrund einer nichtausschließlichen, also objektiv gültigen Weltanschauung? ( ČTD Nr. 47/95 vom 13. 6. 1995)

 

28.

Wozu diente die Ablehnung der DEU


In einem Brief vom 3. 7. 1995 bat die DEU (Demokratische Union) um Zutritt zum Tschechischen Fernsehen. Die Bitte wurde vom Tschechischen Fernsehen jedoch abgelehnt. Unter anderem auch unter Berufung auf Artikel 2 Abs. (1) der Akte der Grundrechte und Grundfreiheiten, der da lautet: „Der Staat ist auf demokratischen Werten begründet und sich weder an eine ausschließliche Ideologie noch an einen religiösen Glauben binden.“ Der zitierte Artikel zeigt das Ideal demokratischer Werte auf, von dem sich ein jeder Vertreter der Staatsmacht leiten lassen sollte. Der Inhalt dieses Ideals ist in den Verfassungsgesetzen nicht enthalten. Eine in vollem Maße dieses Gesetz respektierende Weltanschauung erschafft das Ideal einer nichtausschließlichen Ideologie, von der es nur eine einzige gibt, ähnlich wie es nur ein einziges Ideal zum Beispiel der Mathematik gibt, und dies unabhängig von dem tatsächlichen Kenntnisniveau und dem Niveau der Geltendmachung im Leben.

Da nicht begründet vorausgesetzt werden kann, dass Mitglieder einer politischen Partei, sobald sie die Staatsmacht in ihre Hände nehmen, gleichzeitig auch ihre ausschließliche Ideologie gegen eine nichtausschließliche austauschen und ihre Parteizugehörigkeit vergessen, kann behauptet werden, dass alle politischen Parteien gleichermaßen Zutritt zum Tschechischen Fernsehen haben sollten, unabhängig davon, ob sie gerade zu den Verwaltern der Staatsmacht gehören oder nicht. Raum sollten außerdem auch jene politischen Parteien erhalten, deren ausschließliche, praxisbewährte Ideologie, sich derart einer nichtausschließlichen Ideologie annäherte, dass sie in der Lage sind, zu einem Motor für die Verbreitung und Entwicklung demokratischer Werte in der gesamten Gesellschaft zu werden.

Zum Schluss eine Frage: Diente das Tschechische Fernsehen mit seiner Entscheidung, der Partei DEU den Zutritt zum Tschechischen Fernsehen zu verwehren, den aktuellen Verwaltern der Staatsmacht und deren ausschließlichen Ideologien oder diente es dem Ideal der nichtausschließlichen Ideologie demokratischer Werte? ( ČTD Nr. 62/95, 4.-7. August 1995)


29.

Zur Verteidigung der Demokratie

Über den Widerstand gegen die Beseitigung der ersten Komponente der Demokratie, die die menschliche Freiheit erschafft, ist in Artikel 23 der Akte der Grundrechte und Grundfreiheiten nachzulesen: „Die Bürger haben das Recht, einem jeden Widerstand zu leisten, der die Beseitigung der demokratischen Ordnung menschlicher Rechte und Freiheiten, begründet durch die Akte, betreibt, sofern die Tätigkeit der Verfassungsorgane und eine wirksame Anwendung gesetzlicher Mittel unmöglich gemacht werden.“ Sollte es jedoch einer Machtgruppe gelingen, die grundlegenden Bestandteile der Staatsmacht und weitere wichtige Funktionen im Staat durch eigene Leute, die den Interessen ihrer Gruppe den Vorrang geben vor den Interessen der Demokratie, zu beherrschen, könnte von dieser ersten Komponente leicht nur die äußere Hülle zurückbleiben.

Über den Widerstand gegen die Beseitigung der zweiten Komponente der Demokratie, d.h. der Moral, sagt die Akte der Grundrechte und Grundfreiheiten nichts aus. Aus dem Wesen dieser zweiten Komponente kann jedoch auf einfache Weise abgeleitet werden, dass der wirksamste Widerstand gegen deren Beseitigung umgekehrt  im Eingang des Gesetzes in das Leben der Menschen besteht, d.h. in deren Zukehr zum Gesetz, dessen Respektieren oder Nichtrespektieren durch die Menschen nicht nur über das Schicksal der Menschen auf Erden entscheidet, sondern auch über das menschliche Glück, über Gesundheit, Sicherheit und ein auskömmliches Lebensniveau. Diese Werte können nicht dauerhaft sichergestellt werden, ohne dass das Gesetz auf politischem, Macht-, rechtlichem Niveau und auf dem niedrigsten, dem ökonomischen Niveau respektiert wird. Ein Mensch, der sich auf unwichtige Dinge konzentriert, kann nichts Wichtiges erreichen, das heißt die Verinnerlichung des Gesetzes. Dieses Ziel ist nicht einmalig, sofort erreichbar, da die Macht und die Kräfte des Antigesetzes und damit auch der Antidemokratie sich auf die instinktiven und unterbewussten Kräfte in einem jeden Menschen stützen. Der Kampf gegen diese antidemokratischen Kräfte, in uns und um uns, ist umso schwerer, da ein Bürger-Demokrat nicht die Waffen des Antigesetzes (insbesondere Gewalt, Niederträchtigkeit, Lüge, Heuchelei) anwenden darf, sondern lediglich die Waffen des Gesetzes (insbesondere Gewaltlosigkeit, das Wort der Wahrheit und der Weisheit).

Der Kampf für Demokratie ist dann gewonnen, wenn mindestens 51 Prozent der Menschen in einem bestimmten Machtbereich die gewaltige Bedeutung des Gesetzes für die gesunde Entwicklung ihrer Macht begreifen und beginnen, es in Eigeninitiative zu verinnerlichen. Deshalb kann mit Recht gesagt werden, dass jede Gesellschaft eine solche Regierung hat, wie sie sie sich verdient. Bereits im alten China wusste man, dass ein weiser Herrscher das Rückgrat der Menschen stärkt, d.h. Bedingungen erschafft, unter welchen sich eine antidemokratische Tätigkeit nicht auszahlt. In der Bibel ist nachzulesen, dass ein weißer Herrscher „sich im Lande Getreue auserspäht, die einen rechtschaffenen Weg begehen und diese sodann in seine Dienste nimmt. (Psalm 101, 6) Wer sich an das Gesetz hält, gewinnt Weisheit.“ (Buch Sirach 15, 1) Eine Vielzahl Weiser bedeutet die Rettung der Welt. (Das Buch der Weisheit 7, 24) Der erste Schritt zur Verteidigung der zweiten Komponente der Demokratie sollte also das Kennenlernen der Weltanschauung der reinen Demokratie sein, die mit der in der Bibel aufgezeichneten Lehre Jesu Christi identisch ist. (ČTD Nr. 82/95 13-16. Oktober 1995)


30.

Wie kann man es ihnen jedoch erklären?


Von der existentiellen Bedeutung der Kenntnis und Einhaltung des MG wusste bereits eine alte chinesische Weisheit: „Herrscht ein Weiser, stärkt er das Rückgrat der Menschen. Ein Land mit Verschlagenheit zu regieren bedeutet für das Land Unheil. Selbst eine schwache Verteidigungsbefestigung, eine zerschlagene und zersprengte Armee, ausgebrannte und zerstörte Felder, Plünderung und Verheerung von Wohnstätten sind für ein Land kein so großes Unheil, wie eine Obrigkeit, die auf das Respektieren der Prinzipen des Weges Taa verzichtet, wenn Rechtlosigkeit im Lande zum Gesetz wird.“ Christliche Weisheit weiß ebenfalls, woher Unredlichkeit rührt, die, sofern sie wächst, auch das beste wirtschaftliche System zerstört: „Denn dem Herzen entspringen schlechte Gedanken, Mord, Ehebruch, Raub, falsches Zeugnis, Gotteslästerung.“ (Mt 15, 19). Nur durch Remoralisierung kann man auf das rechte Entwicklungsgleis zurückgelangen, das nicht im Widerspruch zur Natur und deren demokratischen Gesetzen und Werten steht. Wie kann man dies jedoch den Trägern der Staatsmacht erklären, die von ihrer Pflicht der Volksaufklärung, d.h. über die Schaffung von Bedingungen für die Entwicklung demokratischer Bürger, nichts wissen wollen? (ČTD Nr. 173 - 30.8 - 2. 9. 1996)


31.

Demokratie hat zwei Komponenten


Eine Demokratie ohne Moral existiert nicht - schrieb Prof. Dr. Ing. Libor Brom treffend in einem in ČTD Nr. 63 veröffentlichten Brief. Es kann nur hinzugefügt werden, dass Demokratie aus zwei Komponenten besteht. Die erste Komponente ist die Freiheit der Wahl von Denken, Fühlen und Handeln. Die Entwicklung verlief von Sklaverei, feudaler und kommunistischer Leibeigenschaft bis hin zum Respektieren natürlicher menschlicher Grundrechte und Grundfreiheiten durch die Staatsmacht. Die erste Komponente kann von der Staatsmacht auf einfache Weise per Dekret angeordnet werden. Der Mensch kann sie durch Erringen verschiedenster Funktionen und von genügend Geld steigern. Bei der zweiten Komponente der Demokratie – der Moral ist dies nicht möglich. Die Moral setzt eine freiwillige Erfüllung des natürlichen Moralgesetzes (nachfolgend Gesetz genannt) durch den Menschen aufgrund seiner Überzeugung von der objektiven Existenz und Wahrhaftigkeit des Gesetzes voraus. Die Normen des Gesetzes versteht ein Demokrat als das beste Ideal und die Grenze für die Anwendung menschlicher Freiheit-Macht.

Im Rahmen der ersten Komponente der Demokratie kann der Mensch für sich auch eine verbogene Moral wählen, verbogen deshalb, da sie die objektive Existenz des Gesetzes leugnet. Diese „Moral“ betrachtet alsdann alles als moralisch, das bei der Errichtung, Ausdehnung und Festigung menschlicher Macht als hilfreich erscheint. Sie lässt sich dabei von der falschen Anschauung, der Zweck heilige die Mittel, leiten, ggf. von der Anschauung, auch Böses dürfe getan werden, damit einst nur Gutes existiert. Ein ausgezeichneter Nährboden für die Entstehung von Amoralität sind Atheismus und Materialismus. Dies sind die Bremsen einer gesunden demokratischen Entwicklung. Es sind auch die Kröten auf der Quelle des Wassers des Lebens und der reinen Demokratie, d.h. der nichtausschließlichen Ideologie. Eine derart getätigte schlechte Wahl führt gesetzmäßig, nach anfänglichen Erfolgen, früher oder später zum moralischen, politischen, ökonomischen und existentiellen Niedergang. Der Ausweg besteht lediglich in der Rückkehr, mithilfe der Pädagogik, zur Anerkennung der Existenz, zum Kennenlernen und vor allem zum Respektieren des Gesetzes auf dem Weg des Lebens. „Amoralität war, ist und bleibt stets der Erbfeind gesunder menschlicher Entwicklung. Bis „ins Blut“ verinnerlichte Moral wird Charakter genannt (aus dem Griechischen charassein = prägen, eindrücken). Auch das tschechische Wort čest (Ehre) wird verwendet. Ausdruck von Moral ist stets überparteiliche Gerechtigkeit. Da Recht lediglich ein Ausdruck von Macht ist, kann Recht – Gerichtsbarkeit und gesetzgebende Macht – sowohl demokratisch (moralisch und unabhängig von ausschließlichen, d.h. parteilichen Ideologien), als auch undemokratisch (amoralisch, unabhängig vom Gesetz) sein. Die oben angeführten Ansichten können mit folgenden Zitaten belegt werden: „Entbehren Staaten der Gerechtigkeit, was sind dann Staaten anderes als große Räuberbanden.“ (Hl. Augustin) Ministerpräsident Petr Pithart: „Wir sind uns wohl alle darin einig, dass unmittelbar nach der Sorge um die moralische Wiedergeburt der Gesellschaft die Sorge um den Zustand unserer Wirtschaft folgt.“ Der Ministerpräsident der Tschechischen Republik Václav Klaus stellte jedoch im Januar 1993 die geistige Wiedergeburt der tschechischen Gesellschaft erst an dritte Stelle, nach Politik und Wirtschaft. Der Parlamentsvorsitzende Milan Uhde schrieb u.a. in seinem Artikel „Die Moral müssen wir durch eigenes Beispiel errichten“ (ČD vom 15. 11. 1994. Siehe auch den Text unter unserer laufenden Nummer 21): „Es ist unmöglich, sich vorzustellen, dass zum Beispiel die Regierung oder eine poltische Partei ein Konzept zur moralischen Wiedergeburt der Gesellschaft verkündet“ Bedeutet jedoch diese Anschauung nicht eine einseitige Verlagerung der Verantwortung der Staatsmacht für die gesunde Entwicklung der zweiten, moralischen Demokratie-Komponente auf das Volk? Und führt diese Anschauung nicht zur „Einbetonierung“, ggf. der Verlängerung der atheistischen und materialistischen Ideologie in den Köpfen und Herzen der meisten in unserer Gesellschaft, wohin diese Ideologie insbesondere mittels der klaren Konzeption der kommunistischen Macht und der steten Schaffung von Bedingungen für die Verwirklichung dieser Konzeption gelangte? Haben sich nicht alle Abgeordneten der Tschechischen Republik mit dem Ablegen des Gelübdes laut Art. 23 Abs. 3 der Verfassung der Tschechischen Republik dazu verpflichtet, die demokratische Entwicklung Tschechiens im Interesse des gesamten Volkes zu unterstützen?

(ČTD Nr. 71, 7. 9. 1995)


32.

Über das Gesetz, Legitimität und Legalität


Zu Legitimität und Legalität gehört außerdem noch das Wort Gesetz (natürliches, moralisches, dessen objektive, von menschlicher Macht unabhängige Existenz von der marxistisch-leninistischen Ideologie ausgelöscht wurde – jedoch nur in den Köpfen der Menschen. Das Gesetz galt und gilt auch weiterhin. Gerät die Anwendung menschlicher Macht in Widerspruch zum Gesetz, geht es stets um eine illegitime Anwendung. Deshalb ist die Kenntnis des Verhältnisses der politischen Parteien zum Gesetz viel wichtiger als die Kenntnis ihres Programms. Das Gesetz nicht anerkennende politische Parteien (die also auch keinen Grund haben, es zu respektieren, insbesondere, wenn es um Macht geht), können als illegitime und undemokratische Parteien betrachtet werden.

Sollte es nämlich irgendeiner undemokratischen Machtgruppe in einem demokratischen Staat gelingen, mehr als 50 Prozent der Bürger als „ihre Leute“ zu rekrutieren, kann auch dann von der Legitimität dieser Macht gesprochen werden?“ Auch das Verfassungsgericht überschritt also in seinem Befund Nr. 14/94 Slg. nicht den zur Anerkennung der Existenz des Gesetzes führenden Rubikon. Nicht also die Anzahl der Stimmen, sondern das Gesetz entscheidet über die Legitimität menschlicher und staatlicher Macht. Die Frage des tschechischen Philosophen Emanuel Rádl: „Wie kehren wir erneut zu der Überzeugung zurück, dass die moralische Ordnung der höchste Herr der Welt ist?“ gewinnt immer mehr an Dringlichkeit.

(ČTD 80 - 6 - 9. Oktober 1995)



03/2012



 

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