23. Die Erziehung ist wichtiger als die Ausbildung


Über die Tatsache, dass die Erziehung eines Menschen, die den menschlichen Charakter veredelt, wichtiger ist als die Ausbildung, die alle anderen Bereiche des menschlichen Denkens und Tuns betrifft, schrieb der altgriechische Philosoph Platon in seiner Schrift “Über die Erziehung und Familie“ folgendes: „Der Gesetzgeber darf nicht zulassen, dass die Erziehung in den Hintergrund abgeschoben würde oder dass sie zur Nebentätigkeit würde, sondern sie muss ordentlich gepflegt werden (…) Aber wenn die Erziehung manchmal verkommt, dennoch man kann sie wiederum unterstützen, soll dies von jedermann stets und sein ganzes Leben lang angestrebt werden. Das Wort Erziehung verdient lediglich eine andauernde Erziehung zu moralischen Tugenden.“ Ein größerer Wichtigkeitsgrad der Erziehung vor der Ausbildung wurde auch durch unseren J. A. Comenius verliehen: „Der Mangel an Geisteserziehung, d.h. an der moralischen Erziehung, ist der Untergang der Menschen, Familien sowie auch der Nationen.“ Auch heutzutage ist die Ansicht von T.G.Masaryk von aktueller Bedeutung: „Die echte Demokratie beruht auf Sittlichkeit. Eine Entwicklung der Schule, darin besteht die Entwicklung der Demokratie. Der Staat muss den moralischen Zwecken dienen. Man sagt, eine gute Schule erspare die Gelder für Kriminalität, Spital, Armenhaus.“ Die Priorität der Erziehung vor der Ausbildung ergibt sich auch aus dem Satz, dass ein ausgebildeter Schuft für die Gesellschaft gefährlicher sei als ein nicht ausgebildeter. Der Anstieg der Repression vor Erziehungsprävention ist ein Beweis über die Vernachlässigung einer regelrechten Erziehung, die auf Basis des moralischen Naturgesetzes beruht (im folgenden nur Gesetz genannt). Und wenn man das Gesetz sagt, sagt man gleichzeitig damit auch der Gesetzgeber, denn ein gültiges Gesetz kommt ohne einen Gesetzgeber nicht zurecht. Ein positives Verhältnis der Menschen zum Gesetz wie auch zum Gesetzgeber bildet die Grenze zwischen einer ordentlichen, d.h. demokratischen Erziehung und einer nicht ordentlichen Erziehung, die das Bestehen des Gesetzes nicht anerkennt und die ethischen Normen von ihrer menschlichen Macht ableitet, wie es uns durch die jüngst geschehene totalitäre Geschichte in Russland und Deutschland vorgeführt worden war. Den Versuch, die moralische Gesundheit der Gesellschaft zu verbessern, formulierte M. S. Gorbačov wie folgt: „Die wichtigste Aufgabe von heute ist es, den Menschen geistig zu versinnlichen, dessen innere Welt zu beachten, dessen moralische Einstellungen zu verstärken. Man erreicht nichts, bis eine Gesundung der Gesellschaft auf Grund der Durchsetzung von Moralwerten nicht stattfindet. Die Demokratie heißt auch eine moralische Bereinigung der Gesellschaft, eine Wiederherstellung deren Moralgesundheit.“ Man kann auch an die Worte des Ministerpräsidenten Václav Klaus aus seiner Neujahrsansprache im Jahre 1993 (siehe Mladá fronta DNES vom 03.01.1993) erinnern: „Ein selbständiger tschechischer Staat beginnt zu bestehen und es liegt nur an uns, und zwar wirklich an uns allen, wie er werden wird, was wir darin hineinlegen, was für ein konstruktives Herangehen an dessen Gestaltung in uns überwiegen wird. Ich möchte drei Momente erwähnen, durch die unsere Zukunft vorbestimmt wird. Es ist uns gelungen, erstens die politische Pluralität wieder herzustellen, zweitens die Wirtschaftsreform in Gang zu setzen und auch im wesentlichen zu realisieren, und drittens: Es handelt sich um die Aufnahme der geistigen Wiedergeburt der tschechischen Gesellschaft, um deren Wiederkehr zu den Wurzeln unserer nationalen und staatlichen Existenz, um deren Wiederkehr zu den europäischen Traditionen. Hier meine ich vor allem die christliche Tradition im breitesten Sinne des Wortes.“ Dieser dritter Punkt ist auch im Einklang mit der Ansicht von T.G.Masaryk: „Ich weiß mir keinen unseren Menschen vorzustellen, der ohne die Erkennung Jesu und seiner Lehre aufwachsen würde. Wer das Christentum nicht kennen würde, der wäre eigentlich ein Fremder auf unserem Kulturboden. Jesus, nicht der Caesar – das ist der Sinn unserer Geschichte und auch der Demokratie.“ Hier ist es notwendig, den Unterschied zwischen der Lehre Jesu und der Lehre der verschiedensten christlichen Kirchen in der Welt zu betonen. Die gegenwärtige Ansicht betreffend die Erziehung wurde vom Kommentator des Tagesblatts (Deník), Ivan Hoffman, übernommen: „Aus dem Schulumfeld ist die Flegelhaftigkeit auszurotten und die Anständigkeit unter Schülern zurückkehren zu lassen. Keine Schikane zu dulden und zuzulassen. Die Moral zu verlangen. Den Kindern die Selbstverteidigung gegenüber aggressiven Zivilisationskrankheiten beizubringen. Darauf zu bestehen, dass die Jugendlichen die Alten schätzen. Dies sei insbesondere durch das Schulwesen gelöst werden. Die Mathematik kann abwarten.“ (DENÍK vom 01.07.2010). Das wichtigste Argument zwecks Vorrangs der Erziehung vor Ausbildung ist die Tatsache, dass die Erziehung auf Demokratie-und-Gesetzes-Basis gleichzeitig auch in Übereinstimmung mit dem kosmischen Plan für die Entwicklung des Menschenreiches auf dem Planet Erde ist. Dies ist der Hauptsinn unserer Geburt und des Lebens auf Planet Erde.

Die Ethik als eine Geisteswissenschaft über die theoretische sowie auch die von den Menschen und Nationen veraschiedenartig praktizierte Moral bildet einen tragenden Pfeiler für eine in der Tat demokratische Weltanschauung. Die Ethik des Gesetzes kommt ohne die Religion zurecht, während die Religion ohne die ethischen, d.h. moralischen Normen des Gesetzes nicht. Ohne die Anerkennung des Gesetzes kann auch die Religion zur Beute der Dunkelheit werden, d.h. des Terrorismus, der im Namen des Gesetzes mordet. Diesen tragischen Entwicklungsirrtum kennt man aus der Geschichte des Christentums wie auch der Gegenwart des Islams. Auch hier gilt es, dass ein guter Zweck die verwendeten falschen Mittel nicht heiligen darf.

Eine wahre Demokratie ist weder die Regierung des Volkes noch die der politischen Parteien, sondern sie ist die Regierung des Gesetzes mit einer einzigen Priorität für alle demokratischen politischen Parteien. Diese Priorität ist eine ordentliche, d.h. demokratische Erziehung auf Basis des Gesetzes. Demokratie und deren Institutionen (gesetzgebende Körperschaft, Regierung, Gerichtsbarkeit) können mit Dekreten festgelegt werden, jedoch die Demokraten nicht. Diese müssen erzogen werden.

Die demokratische Weltanschauung kann man mit Licht vergleichen, die undemokratische Weltanschauung kann man mit Dunkelheit vergleichen. Das Licht bildet eine elektromagnetische Strahlung, die mit Elektrizität (Vati) und Magnetismus (Mutti) gebildet wird. Die Dunkelheit hat keine Eltern. Die Dunkelheit ist nur ein Mangel an Licht, der durch die Hindernisse von Licht in uns sowie auch außerhalb von uns verursacht wird. Das Gegenteil der demokratischen, d.h. ethischen Weltanschauung ist hauptsächlich der Materialismus.


František Venzara, Štěpánov bei Olomouc


 

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