19. Pillen unterstützend Entwicklung moralischer Gesundheit von L. N. Tolstoj aus seinem Buch Lesenkreis, zwei Bünde (J. Laichter, Prag 1913, 2. Ausgabe.)


Lev N. Tolstoj schrieb im Vorwort dieses Buches im Dezember des Jahres 1904: „Zweck meines Buchs ist es nicht, daß ich genaue, wortgetreue Übersetzungen der Schriftsteller gewähre, sondern daß ich mit Hilfe großer, fruchtbarer Gedanken verschiedener Schriftsteller einem breiten Leserkreis das Lesen für jeden Tag gewähre, - Lesestoff, der in ihnen die besten Gedanken und Gefühle aufweckt.“

Ausgewählte Vorlagen kann man zu einziger universaler Weltmeinung reiner Demokratie einordnen, mit der jede staatliche Macht gesetzliche Folgen ungenügender Erziehung präventiv vorbeugen sollte, die eine Demoralisierung und Amoralität jeder Art nicht behindert.


1. Wer kann eine Beleidigung ruhig ertragen, ohne sie zu vergelten, der hat einen großen Sieg im Leben erreicht. (Seite 27 im 1. Bund des tschechischen Textes, der sich unter Laufnummer 53 des Weges des Gesetzes befindet. Dort kann man auch Nummern der Seiten weiterer Zitate finden.)

2. Zorn ist ein Merkmal der Schwäche, nicht der Kraft.

3. Es waren und es gibt immer solche Rohlinge, welche die Erkenntnis geistlicher Wahrheiten durch Menschen absichtlich behindern, damit sie sie in Dunkelheit der Unwissenheit über diese Wahrheit halten.

4. Ein Mensch soll sich mehr um seine Seele als um seinen Körper kümmern, wie es besonders bei Jugendlichen ist. Lass die Seele nicht durch Körperlichkeit unterdrücken, unterziehe den Körper der Seele, erst dann erfüllst du den Sinn menschlicher Existenz auf der Erde.

5. Ein Mensch vervielfältigt sein Glück im Maß, in dem er Glück den anderen leistet. (Unsere Bemerkung: Dieses Geistesprinzip nennt man heute unpersönliches, d.h. nicht egoistisches Leben für die Anderen. Als Beispiel kann eine ordentliche Familie dienen, in der sich Eltern um ihre Kinder kümmern. Diese Wahrheit äußert auch jetzige Redewendung: Nur mit Geben kann man nehmen. Wer nur nimmt und keine wahrhafte Gegenwerte gibt, kommt gesetzmäßig zur moralischen Krise, dann zur Machtkrise, Finanzkrise und ökonomischer Krise und am Ende dann zur Existenzkrise überhaupt. Dasselbe gilt auch für Überschreitung der Normen des moralischen Gesetzes von Menschen sowie von Organisationen. Das neueste Beispiel kann das Schicksal der Hauptstadt von Haiti Port-au-Prince nach Erdbeben am 12. 1. 2010 sein und vielleicht auch die Katastrophe der Stadt New Orleans in den USA in der Zeit der Überschwemmungen vor einigen Jahren. Eine rechtzeitige moralische Erziehungsprävention ist allerdings besser als eine nachträgliche materielle Hilfe.

6. Wie ein Gerüst Aufbau eines Gebäudes ermöglicht, so soll auch unser Körper Aufbau eines geistlichen Menschen ermöglichen, welcher mit geistlichem Leben lebt.

7. Ein guter Mensch sorgt mehr dafür, daß er macht, was er machen soll, als dafür, was mit ihm passiert. (Jetzige Formulierung dieser geistlichen Wahrheit lautet: wichtiger als das, was uns im Leben begegnet, ist das, ob wir darauf im Einklang mit natürlichem moralischen Gesetz reagieren, oder im Widerstand mit dem Gesetz. Dies setzt allerdings gute Kenntnis des Gesetzes vor, die wir mit weiser Erziehung und Selbsterziehung gewinnen.)

8. Prüfung einer echten Liebe ist die Liebe zu Feinden.

9. Der vollkommenste Mensch ist derjenige, wer alle seine Nächsten liebt und ihnen das Gute ohne Unterschied erweist, wenn sie gut oder böse sind. (Falls ein Mensch mit Dunkelheit gefüllt ist, kommt Dunkelheit aus ihm. Falls ein Mensch mit Licht geistlicher Liebe völlig gefüllt ist, kann nichts anderes als Licht der Liebe aus ihm ausgehen, und zwar auch dann, falls er auf Angriff eines Feindes reagiert.)

10. Leidenschaft ist zuerst wie ein Fremder, dann als Gast und am Ende als Hausherr. (Diese Wahrheit betrifft insbesondere Rauchen, Drogen und Luzifer-, sexuelle Leidenschaften.)

11. Zorn überwinde mit Milde, das Übel mit Gutem, des Gekauften mit Geschenken, den Lügner mit Wahrheit.

12. Das Schädlichste ist Nutzung unklarer Ausdrücke und Wörter.

13. Wehe demjenigen, wer ein sinnliches Leben lebt, vergessend aufs Leben des Geistes. (Hierher fällt Geschäft mit Sexualität und Verkaufen eigener Körper fürs Geld, manchmal auch aus Erzwingung.)

14. Ein chinesischer Weise wurde gefragt: Gibt es ein Wort, nach dem man sich für eigenes Glück bis Endes des Lebens führen könnte? Der Weise antwortete: es ist das Wort šu; Sinn dieses Wortes ist wie folgt: Was wir nicht wünschen, daß uns jemand antut, sollen wir nicht den anderen machen.

15. Das Übel kommt zum denjenigen zurück, wer es begangen hat, wie Staub, der gegen Wind geworfen wurde.

16. Gottesgebot mache aus Liebe zum Gott, nicht aus Angst vor ihm.

17. Nur mit einem einzigen Mittel kann man das allgemeine Übel im Leben überwinden: durch moralische Vervollkommnung des eigenen Lebens.

18. Falls du eine wirkliche Freiheit gewinnen willst, musst du deinen Willen mit dem Gotteswillen verbinden, d.h. mit dessen Gesetz.

19. Menge der Kenntnisse ist nicht wichtig, sondern deren Wert. (Unter dem Wert ist Geisteswert zu verstehen.)

20. Reich Gottes ist Verwirklichung des Gottesgesetzes unter den Menschen. Menschen bildeten allerdings Geistlichkeitskönigstum, nicht Gottesreich in uns. (I. Kant)

21. Jesus will, daß eine Macht zum Dienst wird; die Welt (d.h. Dunkel) will, daß sie Regierung wird.

22. Mensch, welcher denkt, daß mit Tod sein Leben für immer endet, neigt einfach zu alles Bösem.

23. Bemühung ist eine unvermeidliche Bedingung moralischer Vervollkommnung.

24. Kenntnisse sollen ein Werkzeug sein, nicht ein Ziel.

25. Ziel des Lebens ist es, das Gottesgesetz zu erfüllen.

26. Mensch, welcher das Glück nur im äußeren Wohlstand sucht, baut sein Haus auf Sand; tatsächliches Glück kann nur innere Übereinstimmung des inneren Lebens mit Gotteswillen gewähren.

27. Sklave seiner Leidenschaften ist der niederste aller Sklaven.

28. Wo sind Verstorbenen? Dort, wo Ungeborenen. (Seneca)

29. Den Körper können wir heilen nur wenn wir die Seele heilen. Darin ist der Wurzel der Krankheit, Körperübel sind nur Äußerungen kranker Seele.

30. Falls du bewusst wirst, daß du nicht an Gott glaubst, solltest du wissen, daß du in der größten Gefahr bist, in welche Mensch auf dieser Welt geraten kann.

31. Petr Chelčický zeigt in seinem Buch Glaubensnetz, daß die Verbindung des Christentums mit dem Staat (…) das Christentum vernichtete, verdarb, aber daß Gegenteil geschehen sollte: Christentum, das sich mit einem Staat verbindet, sollte den Staat vernichten. (Sicher nicht mit Gewalt.)

32. Das Wesentliche des Lebens ist kein Körper, sondern das Bewusstsein. Sicherlich ist es richtig, daß falls ich keine Knochen und Muskeln hätte, (…) könnte ich nicht dies tun, was ich als Richtige anerkenne; aber völlig falsch wäre es zu behaupten, daß die Ursache dessen, was ich mache, Knochen und Muskeln sind. (Sokrates)

33. Menschen leben falsch nur deswegen, daß sie an Lüge glauben und nicht an Wahrheit.

34. Bemühe dich, daß nicht darüber denkst, was du für falsch hältst. (Epiktet) (Heute sagt man: woran du denkst, es ziehst du an.)

35. Schlechten Gedanken können wir nicht verhindern, daß sie durch unseren Kopf schwingen, aber es ist in unserer Macht nicht zu erlauben, daß sie sich dort einnisten, üble Taten gebären und sie zur Welt bringen. (Luther)

36, 37, 38 - 39. Sage Wahrheit immer, auch wenn du weißt, daß sie unangenehm ist. (Arab Albitis)

40. Religion ist überflüssig, falls sie nicht moralisch ist, falls sie zu keinem guten Leben führt.

41. Krankheiten des Denkens sind verderblicher und sie kommen öfter vor, als Krankheiten des Körpers.

42. Selbstliebe, falls sie bestimmte Grenzen überschreitet, ist eine seelische Krankheit.

43. Wer Vernunft hat, verlässt sich nicht nur auf sich selbst. (chinesische Weisheit) (Gegenteil propagieren einige Film- und Fernsehhelder.)

44. Kein frühes Wohl kann den Schaden an der Seele ersetzen, welchen sich ein Mensch selbst durch begangenes Übel herbeigeführt hat.

45. - 46. Damit das Leben gut ist, braucht man dazu das Einzige: damit die Menschen selbst besser wären. Es rettet uns keine sündige, gewaltige Anordnung des Lebens, sondern Anordnung eigener Seele. Echtes Wohl ist überall und in jedem Zeitpunkt des Lebens durch Liebe erreichbar. Liebe zu allen Menschen, auch zu den Gehässigen, ist viel näher der menschlichen Seele, als Kampf mit den Nächsten und Hass gegen sie. Was sollen wir also lieben? Alle lieben, Ursprung der Liebe lieben, Liebe lieben, Gott lieben. Liebe gibt Wohl dem Menschen, nicht durch ihre Folgen, sondern durch die Liebe selbst, sie gibt ihm Wohl unabhängig davon, wie andere Menschen handeln und was sich eigentlich in der hiesigen Welt passiert. Lieben bedeutet sich dem Gott ergeben, machen, was der Gott will, und Gott ist Liebe, d.h. er will Wohl für alle und deswegen kann er nicht wollen, daß der Mensch nur deswegen stirbt, daß er das Gottesgesetz erfüllt. Versuchen Sie es und Sie werden sehen, wie Sie statt eine betrübte, zornige und schwere Laune eine klare, frohe und lustige Laune haben werden. (Lev Tolstoj den Jugendlichen)

47. Aufgabe des Menschen ist es, allen zu dienen, allen Menschen und nicht nur einigen, wobei es nötig ist, Übel den Anderen anzutun. Für einen Christen ist Liebe zu Heimat ein Hindernis der Liebe zum Mitmenschen.

48. Falls menschliche Hand nicht verletzt ist, kann der Mensch Schlangengift berühren, ohne daß ihn das Gift verletzt; nur derjenige wird vom Übel nicht verletzt, wer nichts Übles antut.

49. Nur Wuchs der Liebe unter Menschen kann bestehende gesellschaftliche Ordnung verändern.

50. Abschneiden des Sprösslings vom Zweig bedeutet auch Abschneiden des Sprösslings vom ganzen Baum zugleich. Wohingegen den Sprössling eine fremde Hand abreißt, entfremdet sich der Mensch mit Hass und Zorn gegenüber dem Nächsten nicht nur vom Nächsten, sondern von der ganzen Menschheit. (Und gleichzeitig auch vom Gott) (Marcus Aurelius)

51. Mensch soll bewusst werden, daß ein Mensch nur ein Glied gesamten Körpers ist (Menschheit). Ein Glied zu sein, bedeutet ein Leben nur durch Leben zu haben und fürs Leben des ganzen Körpers. Ein vom eigenen Körper getrenntes Glied hat nur ein sterbendes und zu Grunde gehendes Leben.

52. Je eifriger verschaffen wir uns Vergnügen, desto mehr machen wir uns das dem Menschen zugängliche Glück unmöglich, und zwar die Liebe.

53. Was brauchen wir, was brauchen Menschen, was will unsere Zeit? Einen Ausgang aus Schlamm des Egoismus, der Zweifel und Negation zu finden, in dem man ertränkt. Unter dem Ausgang versteht man Meinungsveränderung, die es ermöglicht, daß unsere Seelen aufhören, nach persönlichen Gefühlen herumzulaufen und zusammen mit den anderen beginnen können, das Gesetz und sein Ziel zu erfüllen. (Mazzini)

54. Das Verhältnis zum Gott, welches Er von uns bittet, ist eine kontinuierliche Erfüllung seines Willens im Leben. Unsere Lebensinteressen und Leidenschaften entfernen uns davon ständig jede Sekunde.

55. Die Gesellschaft besteht im Gewissen, nicht in Wissenschaft. (Unverdorbenes Gewissen signalisiert unrichtige Handlung ähnlich, wie ein Schmerz Mangel des physischen Körpers.) Zivilisierung ist vor allem Sache der Moralität. Ohne Ehrlichkeit, ohne Respekt zum Recht, ohne Gefühl für Pflicht, ohne Liebe zu den Nächsten, ohne Tugend ist alles bedroht, alles stürzt zusammen. Grundlage jeder Zivilisation ist eine durchschnittliche Moral der Massen, Grundstein ist die Pflicht. (gegenüber dem Gott und dessen Moralgesetz.)

56. Weisheit ist Kenntnis ewiger Wahrheiten, die man im Leben nutzen kann.

57. Ein erleuchteter Mensch erhebt sich immer (er vergeistigt) mit Vernunft und Umsicht, unerleuchteter Mensch sinkt ständig in Unkenntnis und Unechtheit. (chinesische Weisheit)

58. Je weniger Bedürfnisse man hat, desto glücklicher man ist. (Lichtenberg)

59. Aus allen Menschen ist eine Brüdernation zu bilden. (Lammenais)

60. Wie es einen Gott gibt, so muss es auch einen Glauben geben. (dies bedeutet auch eine demokratische Weltmeinung.)


SPMZ, Januar 2010


 

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