17. LEBENDIGE WERTE DER TSCHECHOSLOWAKEI MASARYKS


maßgeblich auch für das 21. Jahrhundert




1. Rotten wir die Unwissenheit aus, damit die Unwissenheit nicht uns ausrottet. (J. A. Komenský - S. 11)

2. Die Politik beruht auf Moral und ihre vorrangige Aufgabe ist es, zu ihr Bürger zu erziehen. Der Zweck des Staates ist Frieden, nicht Krieg. (Platon, 427-348 vor u.Z., S. 20)

3. Sofern Sie in einem korrupten Business leben, leben Sie im Despotismus. Der einzige Weg aus der gegenwärtigen Krise ist die Rückkehr zu wirklicher Moral und Demokratie. (G. Vidal, Schriftsteller, USA, 2008, S. 25)

4. Das Chaos am Vorabend des 21. Jahrhunderts rief einen Fortschritt ohne Moral, ein moralisches Chaos hervor. Es kam zum Zusammenbruch fast aller traditionellen Werte. Das Ethos des Konsums wird als Ersatz ethischer Normen ausgegeben. Desintegrierende Kräfte schaffen einen Lebensstil individueller Selbstbefriedigung ohne moralische Hindernisse. (Zbigniev Brzezinski, Ohne Kontrolle, S. 25)

5. Die innere Kraft eines Volkes hängt von seiner Bildung, Begüterung, Strebsamkeit und moralischen Unbescholtenheit ab. (K. Havlíček Borovský, S. 66)

6. Das Siebenfache der tödlichen Sünde der gegenwärtigen Zivilisation: 1.Reichtum ohne Arbeit. 2. Genuss ohne Gewissen. 3. Kenntnisse ohne Charakter. 4. Geschäft ohne Moral. 5. Wissenschaft ohne Menschlichkeit. 6. Religion ohne Barmherzigkeit. 7. Politik ohne Prinzipien. (Mahátma Gándhí, 1869-1948, S. 69)

7. Manchmal habe ich den Eindruck, dass ein Modell globaler Totalität geschaffen wird, das eine sehr markante Ausgabe hat: eine vollkommen zielbewusste und programmierte Debilisierung … es geht um den „Verrat an Gebildeten“… (Z. Mahler, Zeitung Právo 31. 12. 1999, S. 72)

8. Aus den breiteren Gedankeneinflüssen auf Masaryk ist sein tiefer Glaube an grundlegende christliche Prinzipien, seine kritische Stellungnahme zum religiösen irrationalen auf diese Prinzipien gestapelten Ballast und sein aufklärerisches Verständnis der Wichtigkeit moralischen, geistigen sowie intellektuellen Potentials der Menschen, das bei den meisten in Folge der ungenügenden Bildung unentwickelt blieb, zu erwähnen. Aus Erfahrung wissen wir, dass Liberalismus andere Werte als Demokratie akzeptiert, zu seiner Existenz Demokratie eigentlich nicht braucht. Die liberalistische Auffassung des Lebens und Fortschritts (ähnlich wir die marxistische) beruht vorwiegend auf ökonomischen, materialistischen philosophischen Grundlagen und übersieht und ignoriert sogar ganz moralistische, geistige und kulturelle Dimensionen der Qualität des menschlichen Lebens. Masaryk anerkannte immer die Wichtigkeit demokratischer Institutionen (Parlament, allgemeines Wahlrecht, politische Parteien, freie Wahl, gut formulierte Gesetze, freie Presse usw.). Für eine effektive Demokratie hielt er sie jedoch für unzureichend, missbrauchsanfällig. Erforderlich ist eine bestimmte Denkweise, die Respekt für das geistige und moralische Potential des Einzelwesens wie auch der Gesamtheit, Prinzip der Gleichstellung, Prinzip der Verantwortlichkeit für sich selbst sowie andere, soziales Empfinden einschließt. Humanitäre Ideale sind auf solche gesellschaftliche und politische Verhältnisse ausgerichtet, die eine positive (unsere Anmerkung: d.h. auf die Ideale der Demokratie ausgerichtete) Entwicklung der Mehrheit der Einzelwesen wie der ganzen Gesellschaft ermöglichen würden. In einer Demokratie ist es unzulässig, dass die Mehrheit zum Mittel der Interessen und Privilegien einer kleinen Minderheit wäre. Das Prinzip der Gerechtigkeit, dass den Mittelpunkt der Demokratie bildet, schließt auch die soziale Gerechtigkeit ein. Der Staat soll auch Garantie sein, dass der über Generationen lang durch gemeinsame Arbeit gebildete Reichtum nicht durch private oder fremde Interessen veräußert wird, dass alles, oder fast alles, nicht auf Ware reduziert wird. Politik sollte insbesondere auf moralischen Grundlagen beruhen. (Aus dem Beitrag von Marie L. Neudorflová Ph.D. Realismus des Konzepts humanitärer Demokratie, S. 87-93)

9. Falls wir über einen Fortschritt sprechen wollen, werfen wir nicht mit der Anzahl von Autos oder Telefonlinien um uns, sondern mit dem Wert, den für uns und unsere Zivilisation das menschliche Leben hat. (K. Čapek, 1929, S. 93)

10. Demokratie ist nicht nur Recht, sondern auch Pflicht. Wählen Sie sorgfältig Ihre Führer, denen Sie ihre Schicksale anvertrauen. (A. Švehla, dreifacher Ministerpräsident der ČSR)

11. E. Beneš ist überzeugt, dass die demokratische Gesellschaft das menschliche Wesen für primär und grundlegend, während den Staat und die gesellschaftliche Kollektivität für sekundär hält. Ein Politiker ist und soll Philosoph sein und seine Politik soll Philosophie sein. Beneš vertrat immer die Auffassung, dass Demokratie in ihrer Grundlage geistigen Charakter hat, dass Demokratie in ihren theoretischen und philosophischen Ausgangspunkten eine gewisse Verknüpfung, Synthese zwischen geistigen und materiellen Erscheinungen bestrebt und auf jeden Fall die einseitige Betonung materieller und ökonomischer Faktoren ablehnen muss. E. Beneš gab nie seine Ansicht auf, dass die Menschlichkeit neben der Idee Gottes der höchste Wert ist, den die Welt hat und haben kann. (Prof. PhDr. Jaroslav Hroch, CSc., S. 101-105)

12. Wir müssen uns bewusst werden, dass der „Zweck der Menschheit die Erlangung wahrer Menschlichkeit, Humanität ist, die in der Bildung und Moral besteht.“ Der Aufbau eines Nationalstaates ist ein Bestandteil der Vorgehensweise der Demokratie, wahre Demokratie unterliegt der Humanität, ist ein Mittel (Methode) zur Kultivierung des menschlichen Lebens und der Welt. Demokratie solle, wie auch Politik, laut T.G. Masaryk, eine ethische Grundlage haben. Die Voraussetzung der künftigen Vereinigten Staaten von Europa sei laut T.G. Masaryk die Demokratisierung der europäischen Gesellschaft. Die Basis des Integrationsprozesses sei eine regionale Zusammenarbeit kleiner Völker, insbesondere zwischen Ost und West, auf dem Gebiet Mitteleuropas, wo das Wesentlichste für unsere Zukunft beginne, und dies sei die innere Wiedergeburt des Menschen. E. Beneš akzeptierte den Humanismus T.G.Masaryks als Ziel der National- und Weltgeschichte. In der Demokratie sei Humanität der höchste Wert. Bereits in den zwanziger Jahren machte E. Beneš darauf aufmerksam, dass Demokratie nicht durch einige Institutionen sichergestellt sein könne. Demokratie, das seien die Menschen, ihre Denkweise, ihre demokratische Führer. (PhDr. Marta Goňcová, CSc., T. G. Masaryk, E. Beneš und Projekte internationaler Integration, S. 106-110)

13. Die Grundlage einer allseitigen Entwicklung des Kulturlebens in jeder modernen Gesellschaft, bzw. im Staat ist das Schulwesen. (PhDr. Ivan Kamenec, Csc., S. 118)

14. Das, was sich auf der tschechischen politischen Bühne abspielt, stürzt unsere Heimat in die Kluft. „In der letzten Zeit beobachten wir eine erhebliche Zunahme an Unehrlichkeit, Unverantwortlichkeit, rücksichtsloser Ausbeutung, Aggressivität und Vulgarität. Diejenigen Werte, die jahrhundertelang für wahr gehalten wurden, gehen abseits. Eine ungenügende Bildung und kleine allgemeine Übersicht führen zur Degradierung der Population auf eine nicht denkende Masse von Verbrauchern alles Möglichen sowie Unmöglichen, bilden einen Nährboden für die verschiedensten Betrüger, Extremisten, sind die Quelle für Ignoranz und Aggressivität.“ (Aus dem Appell mehr als 150 bedeutender Persönlichkeiten, Hochschulpädagogen, Wissenschaftler und Künstler, veröffentlicht im Februar 2008, S. 131)

15. Bürokratie wird im positiven Sinn als rationale Steuerungs- und Verwaltungsweise verstanden. „Die Zukunft der Republik und unseres Volkes besteht in der inneren Politik, darin, wie wir es schaffen, den Staat zu verwalten, … Der Staat ist nicht das letzte und höchste Ziel des menschlichen Bestrebens, sondern ein erforderlicher Vermittler des kulturellen Gesellschaftslebens. Die Beamtenschaft muss für das Bürgertum Beispiel sein.“ (TGM im Jahr 1922) Die Worte von Beneš waren schon mehr kritisch: „In einer Demokratie soll wirklich demokratisch insbesondere Bürokratie sein. Die größte Katastrophe der Bürokratie war immer Bestechlichkeit. Ein hohes Maß an Korruption ist mit der wirtschaftlichen Kriminalität verbunden. In Folge des Wahlprozesses wechseln die Regime, Regierungskombinationen, Parteikonstellationen. Schwächere Charaktere unterliegen da sehr leicht und verfallen in ein charakterloses Drehen nach politischem Wetter. Am häufigsten politisieren sie sich dadurch, dass sie die Beförderung durch das Laufen politischen Parteien nach gewinnen. Ein anderes Mal politisieren wieder politische Parteien Bürokratie dadurch, dass sie die „Positionen“ mit ihren Leuten besetzen. Demokratie braucht eine aufgeklärte, objektive, unbedingt überparteiliche, zum Staat und seiner Regierung als vorübergehendem Regime zwar vollständig loyale, aber dauerhafte Aufgaben und Interessen des Staates von den vorübergehenden Bedürfnissen des momentanen Regimes unterscheidende Demokratie, eine tapfere Bürokratie – eine neue Bürokratie.“ (Masaryk und Beneš zur Bürokratie, JUDr. Milan Navrkal, CSc., S. 132-133)

16. Der Soziologe der Intelligenz Arnošt Bláha betont die Aufgabe des Verstandes, der Kultur und Moral wie auch die Bedeutung der Schule und Erziehung. Die Kultur im Staat wird insbesondere durch Erziehungs- und Bildungseinrichtungen verbreitet, die sie auf weitere und weitere Generationen übertragen. Hierher gehören hauptsächlich die Schulen. Das Ideal einer guten Schule kann jedoch nur die soziale und kulturelle Reife sein. Dies sollte auch für die Wirkung der Massenmedien gelten, die dem Grundbedarf einer guten Orientierung entgegenkommen. Das moralische Gewissen ist nicht nur die ethische Urteilskraft, es sind auch das moralische Gefühl, der Wille und die Taten. Wie gesagt wurde, viele Gesetze bilden die Moral nämlich nicht. Die Gesetze können sie nur unterstützen. Ohne eine konsequentere Erziehung in den Schulen und Familien nimmt die Moral in der Gesellschaft ab und sie verschwindet sogar. (Inocenc Arnošt Bláha – tschechischer Soziologe der Intelligenz. PhDr. Ivan Holý, S. 138)

17. Laut TGM könne das Ziel einer demokratischen Schule nicht nur das Wissen sein, sondern auch die Entwicklung der ganzen Persönlichkeit des Menschen, einschließlich seiner Sozialisierung. Das Schulwesen solle einen harmonischen, die allgemeine, fachliche und philosophische Ausbildung vereinigenden Organismus schaffen, solle sich mit seinem gesamten Ausrichten und Sinn befassen. Eine wichtige Stellung sollten ethische Fächer, die Erziehung zum Patriotismus und die moralische auf den humanitären Idealen beruhende Erziehung sein. Im Jahr 1930 sagte TGM in seiner Rede an die Lehrer: „Sie als Lehrer berufen sich auf Komenský. Dieser … sah in der Schule und im Unterricht ein Medikament gegen das Böse seiner Zeit, und damals war es überall sehr schlimm. Auch heute wird entschieden, entweder für Gewalt oder Diskussion, Belehrung, Vereinbarung. Entweder Komenský oder irgendeiner Dschingis Chan, nichts anderes gibt es in der Politik.“ (Gestaltung des Schulwesens der Ersten Tschechoslowakischen Republik. Mgr. Radim Štěrba, DiS. S. 139-142)

18. In unserem Land gibt es kein unabhängiges öffentliches Medium mit einem breiteren Wirkungsbereich, das sich bemühen würde, objektive Informationen zu übermitteln. Die Haupterrungenschaft der Samttechnologien der neunziger Jahre war das allgemeine Signal, dass alles erlaubt ist, dass Betrüge, Verbrechen und Hochverrat nicht bestraft werden, sondern dass sie sich rentieren. „Elite“ werden diejenigen Menschen, die ihre privilegierte Machtstellung missbrauchten. Erforderliche moralische und intellektuelle Autoritäten an der Spitze unserer Gesellschaft fehlen bis heute. Das Ergebnis ist ein Zustand, für den niemand verantwortlich ist. Staatliche und bürgerliche Millionenschulden sind furchtbar, unsere moralischen Schulden sind jedoch mehrfach größer. (Č. Hofhanzl, Abgeordneter nach November 1989. Zeitschrift Svědomí, 7. 6. 2006, S. 153)

19. Mit dem Motto der Volks- und Staatssouveränität wurde einst der zentralen Papst- und Kaisermacht begegnet, heute ist der souveräne Staat der letzte Schutz gegen die demolierende Wirkung der Globalisierung auf die humanitäre demokratische Gesellschaft und auch die letzte Chance für die Erhaltung der bisherigen menschlichen Zivilisation und der auf der demokratischen Selbstbestimmung beruhenden Kultur. (JUDr. Jan Pinz, Ph.D., S. 200)

20. Und das, was mir persönlich am Herzen liegt, ist das Problem der Bildung, des Schulwesens und etwas, was wir als Ordnung humanitären Denkens bezeichnen können - und sollten! (Prof. PhDr. Zdeněk Beneš, CSc., S. 216)

21. Die gegenwärtige Geschichte wird immer mehr ein Wettweberb zwischen der Erziehung und Katastrophe. (H. G. Wells, S. 218)

22. Masaryk bekennt sich zu Natürlichkeit und natürlichem Recht, zu Demokratie und Humanität, würdigt Arbeit und Fortschritt, Menschlichkeit und Volkstümlichkeit, lehnt jedwede Privilegien und Vorteile ab, sei es Geschlechts- oder Vermögensvorteile. Er ist auf die Kultivierung des eigenen Volkes der Tschechen und Slowaken, auf die slawische und allmenschliche Solidarität ausgerichtet. Er trägt sich mit dem Gedanken an die künftige Föderation der Völker (S. 219). Zitat Platons: „Das Leid nimmt kein Ende, solange nicht Philosophen Herrscher und oder Herrscher Philosophen werden“. Masaryk erlebte noch nicht den heutigen Grad der Krisenhaftigkeit der euroamerikanischen Zivilisation, der zunehmenden Ungleichgewicht zwischen Menschen und Völkern untereinander sowie zwischen Natur und Mensch. Aber schon damals kämpfte er mit Ausdauer gegen die liberale ökonomische Unverantwortlichkeit, setzte die Stabilität moralischer Grundsätze durch und Demokratie verstand er als Verwaltung der den Menschen und für das Volk öffentlichen Sachen, nicht als Dienst der unberechenbaren und „unsichtbaren“ Hand des Marktes. Masaryk wusste, dass der indifferente Liberalismus selbst die Idee der Gerechtigkeit und Menschlichkeit bedroht. Masaryk hat heute nur denjenigen „nichts zu sagen“, die sich opportunistisch in das durch die europäische oder weltliche Oligarchie gesteuerte System eingliedern, die an einer kontinuierlichen Kampagne für die Devalorisierung nationaler Werte teilnehmen, sei es im Regie des sudetendeutschen Revanchismus, der intoleranten Europäisierung oder achtlosen Globalisierung. Wie sieht die Gegenwart aus? Die Etappe der Unsicherheit, Unvorhersehbarkeit, Unbestimmtheit, Ungültigkeit, des gesteuerten wie auch spontanen Chaos, der Anarchie und Verwirrung, Negation und des Nihilismus. Harmonisierende Kräfte nahmen ab, die Arroganz, Korruption, Berechnung, Brutalität, Kriminalität, Militanz sowie der Zerfall nahmen zu. Der frühere Soziozentrismus wurde durch den Egozentrismus abgelöst (S. 222). Kein Regime besteht dauerhaft und obsiegt, sofern er sich mit einer gewaltigen Machthaltung zufrieden gibt, sofern er seinen Bürgern nicht das erforderliche Maß an freier Selbstrealisierung und gesellschaftlicher Partizipation wünscht, sofern er nicht Respekt zu kritischem Verstand und ehrlichem Gewissen achtet. Masaryk ging es insbesondere um die Erbauung des Geistes durch die Aufklärung und Kultur. Er wusste längst, dass wir zu unserem Glück keine Paläste, unbegrenzten Konsum, Genussluxus und moralisch tief gesunkene Kultur brauchen. Er wusste, dass wir zu unserem Glück Ideale brauchen, die Hunger der Seele sättigen und menschlichen Geist heben (S. 223).

23. Prof. PhDr. Bohumír Blížkovský, Csc. Masaryks Werte, die für das 21. Jahrhundert maßgeblich sind. Vieles zeugt davon, dass das bisherige Geschehen nach November 1989 an das Vermächtnis Masaryks nicht gehörig anschließt. An die Macht gelangten oft nicht die Nachfolger und Anhänger von T. G. Masaryk, M. R. Štefánek und E. Beneš, sondern ihre Nichtkenner und Gegner. Wirklicher Demokratismus wurde vom uferlosen Liberalismus und der Bemühung um die Restaurierung längt überwundener Verhältnisse ersetzt. Die Abwesenheit der demokratischen Aufklärung ist selbstvernichtend. Vor einer weiteren Barbarisierung der Gesellschaft durch die Vertiefung der Wertekrise warnte unlängst auch der öffentliche Verteidiger von Rechten der Tschechischen Republik Otakar Motejl. Das Gefährlichste sei die zunehmende geistige Not. Zur Besserung sei höchste Zeit. Die ganze Welt habe wahrscheinlich die letzte Chance zu Verstand zu kommen. Ob die Hoffnung „Revolution der Köpfe und Herzen“ oder ungewöhnliche globale Existenzrisiken der Anbetung des Mammons und der Macht gewinnen würden, hänge auch von uns ab. Im Mittelpunkt des kritischen Realismus im Sinne Masaryks ist der Wert der Wahrheit, solider Fachkenntnisse, der Suche nach der Weisheit zum allgemeinen Nutzen. Die Vorgehensweise ist einfach und wirksam: Sie geht aus der kritischen Bewertung dessen hervor, was ist, und ist darauf gerichtet, was sein soll, was erforderlich und real möglich ist. Unser Rückstand gegenüber den entwickelten Ländern vergrößert sich gefährlich und wächst im moralistischen Verfall. Unsere Anwesenheit wird durch eine ungenügende Unterstützung des Gemeinwohls und eine zu große Toleranz des Bösen charakterisiert. Humanitärer Demokratismus im Sinne Masaryks gehört zu den höchsten universellen Idealen wie auch den selbsterhaltenden Werten der gegenwärtigen Menschheit. Überwiegende Widersprüche von heute ersetzen jedoch eine ständige Vertiefung der Demokratie eher durch ihre Entleerung. Die schwierigste Prüfung wartet auf Demokratie offenbar in diesem Jahrhundert. Das größte Risiko ist eine ungewöhnliche Konzentration wie auch die drohende Monopolisierung der ungenügend kontrollierten globalen Megamacht. Die größte – vielleicht auch die letzte – Chance des 21. Jahrhunderts ist deshalb eine weise und exekutive Demokratie. Ich mache nur auf einige Vorschläge zur Besserung aufmerksam.
- Masaryk betont die humanisierende Berufung der Demokratie. Demokratie solle eine ständige Kultivierung der äußeren sowie inneren Welt jedes Menschen, eine ständige Optimalisierung der gesamten menschlichen Welt sein.
- Unserer Demokratie nach November 1989 fehlt das Wichtigste, wirkliche Demokraten, mehr reife und aktive Bürger und zuverlässige ehrliche Politiker. Ohne diese funktioniert eine Demokratie einfach nicht. Demokratie benötigt darum eine wirksame Aufklärung, eine kontinuierliche Erziehung zur Demokratie. „Revolution der Köpfe und Herzen“ wird bisher eher durch die Explosion der Werbung, Triebe und Irrtümer ersetzt.
- Sofern die demokratische Verwaltung Sinn und Leistung haben soll, muss sie weise und verantwortlich sein. Sofern wir unseren Kopf und Charakter verlieren, ist alles „futsch“ – wie Masaryk zu sagen pflegte. Das gegenwärtige Paktieren mit den Wirtschaftsprüfungen und Expertisen hat damit nur wenig Gemeinsames.
- Die Suche nach optimalen Lösungen setzt eine freie sachliche Diskussion voraus, nicht immerfort leere vernebelnde Phrasen. Objektive Medienkommentare ist das Seltenste, die „Zensur durch die Stille“, die das Wesen verhüllt, ist das Häufigste. Die Risiken medialer Manipulationen sind bei uns bereits so gefährlich, dass es unvermeidlich ist, das legislative Verbot des Mehrheitsbesitzes der Hauptmedien durch das fremde Kapital, nach Frankreich, Kanada sowie den USA möglichst bald durchzusetzen. Ohne Aufklärung verfällt alles!
- Direkte Demokratie stärken: Bürgerinitiativen, Selbstverwaltung, direkte Bürgermeister- und Präsidentenwahlen; allgemeines lokales sowie auch gesamtstaatliches Referendum zu grundlegenden Problemen durchsetzen.
- Abberufung der, die ihre Vorwahlversprechen und -programme nicht erfüllen, ermöglichen.
- Gemeinwohl pflegen. Opportunistische konfrontative Politikasterei, Korruption und andere Mafiapraktiken, falsche demagogische Führer, servile Lakaien und passive Apathie und Gefügigkeit der Bürger ausrotten.

24. Aus den Gedanken T. G. Masaryks: (S. 250)
- Der einzige Weg aus der Krise ist die Rückkehr zu wirklicher Moral und Demokratie.
- Interesselosigkeit, Gleichgültigkeit sind schlimmer als Unwissenheit.
- Das Problem von heute ist nicht nur wirtschaftlich und politisch, sondern auch vor allem moralisch.
- Ohne demokratische Erziehung gibt es keine Demokratie.

25. Anbetung des Mammons und der Macht ist das Gefährlichste, bedroht existentiell alle und alles. (S. 254)

26. Auf der Skala, auf der Null die Nullkorruption und 5 die höchste Korruption bedeuten, erhielt die Tschechische Republik im Jahr 2008 Note 4,3. Sie besetzte die drittschlimmste Stelle in der Rangliste von 26 Ländern. (Transparency International, S. 254)

27. Die Tschechische Nationalbank (ČNB) teilte mit, dass sich die Auslandsschuld des Staates im Jahr 2008 auf 1,5 Billionen Kč, d. h. fast 150 Tausend Kč pro Einwohner belief. Nur die Zinsen betragen bis zu 50 Mrd. Kč (S. 255). Alkoholismus in der Tschechischen Republik steigt heftig. Drogenabhängigkeit der Einwohner der Tschechischen Republik ist die höchste in Europa. Im Jahr 2006 wurden in den Lotterie- und Wettspielen fast 100 Milliarden Kč verspielt (S. 257). Negative Erscheinungen werden bagatellisiert … wir erleben eine Wertekrise … es droht eine Barbarisierung der Gesellschaft. (O. Motejl, Öffentlicher Verteidiger von Rechten der Tschechischen Republik, S. 259)


Auszüge aus dem Sammelband aus den Konferenzen zum 90. Jubiläum der Entstehung der ČSR in Brünn am 22. und 23. Oktober 2008. Ausgewählt und geordnet von František Venzara im Juli 2009.



 

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